Was zu den Blutfettwerten gehört
Zu den Blutfettwerten gehören vier Zeilen: Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceride. Viele Befunde ergänzen das Non-HDL-Cholesterin, also Gesamtcholesterin minus HDL: eine Rechnung aus demselben Röhrchen, keine zusätzliche Untersuchung.
Das LDL bringt Cholesterin von der Leber in den Körper und macht über zwei Drittel des Cholesterins im Blut aus. Das HDL, etwa ein Viertel, bringt überschüssiges Cholesterin zur Leber zurück. Die Triglyceride sind ein Energiespeicher und stammen zu großen Teilen aus der Nahrung.
Erhöhte Werte sind in Deutschland häufig: In der bundesweiten DEGS1-Studie des Robert Koch-Instituts lagen 56,6 % der Männer und 60,5 % der Frauen zwischen 18 und 79 Jahren über 190 mg/dl Gesamtcholesterin. Bestimmt werden die Blutfettwerte unter anderem beim Gesundheits-Check-up ab 35.
Blutfettwerte-Tabelle in mg/dl und mmol/l
Auf den meisten deutschen Befunden stehen Cholesterin und Triglyceride in mg/dl, auf manchen in mmol/l. Die Tabelle zeigt die Orientierungswerte des IQWiG in beiden Einheiten. Zum Umrechnen von mg/dl in mmol/l teilen Sie Cholesterin durch 38,6 und Triglyceride durch 88.
Die Markierung auf Ihrem Befund folgt den Grenzen Ihres Labors, und beim LDL zählt am Ende Ihr persönlicher Zielwert.
| Blutfettwert | Orientierung in mg/dl | in mmol/l |
|---|---|---|
| Gesamtcholesterin | unter 200 | unter 5,17 |
| LDL-Cholesterin | unter 130 (Ihr Zielwert kann niedriger liegen) | unter 3,36 |
| HDL-Cholesterin | Frauen über 50, Männer über 40 | Frauen über 1,3, Männer über 1,0 |
| Triglyceride (nüchtern) | unter 150 | unter 1,7 |
Die Zeile, die ein Ziel ist, kein Bereich
Gesamtcholesterin, HDL und Triglyceride werden mit Bereichen verglichen, das LDL dagegen mit einem Zielwert, der von Ihrem Herz-Kreislauf-Risiko abhängt. Dieses Risiko schätzt Ihre Praxis aus Alter, Geschlecht, Blutdruck, Rauchen, Cholesterin und Vorerkrankungen, etwa mit den europäischen SCORE-Tabellen.
Deshalb können zwei Menschen dasselbe LDL haben, einer markiert, einer nicht, und beide Befunde stimmen: Nach einem Herzinfarkt gilt ein anderes Ziel als ohne jeden Risikofaktor, und dieses Ziel legt eine Ärztin oder ein Arzt fest, kein Analysegerät.
Steht auf Ihrem Befund ein Bereich für das LDL, lesen Sie ihn als Voreinstellung des Labors, nicht als Ihr Ziel. Die europäischen Leitlinien, die die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie übernommen hat, nennen vier Stufen.
- Niedriges RisikoLDL unter 116 mg/dl (3,0 mmol/l).
- Mittleres RisikoLDL unter 100 mg/dl (2,6 mmol/l).
- Hohes RisikoLDL unter 70 mg/dl (1,8 mmol/l), um mindestens die Hälfte gesenkt. Dazu zählt zum Beispiel, wer ein LDL über 190 mg/dl hat.
- Sehr hohes RisikoLDL unter 55 mg/dl (1,4 mmol/l), um mindestens die Hälfte gesenkt, etwa nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Nüchtern oder nicht? Was in Deutschland gilt
Für das Cholesterin müssen Sie laut IQWiG nicht zwingend nüchtern sein, denn Mahlzeiten verändern es kaum. Für die Triglyceride rät das IQWiG dagegen zu 8 Stunden ohne Essen, weil eine fett- oder zuckerreiche Mahlzeit den Wert erhöhen kann. Viele Praxen bitten trotzdem um Nüchternheit, weil oft der Blutzucker mit auf dem Auftrag steht, beim Check-up immer.
Seit 2016 empfehlen die European Atherosclerosis Society und die europäische Föderation für Labormedizin (EFLM), die Blutfettwerte in der Routine ohne Nüchternheit zu messen. Nach einer gewöhnlichen Mahlzeit steigen die Triglyceride im Durchschnitt um höchstens etwa 26 mg/dl, Gesamtcholesterin und LDL sinken um etwa 8 mg/dl, das HDL bleibt gleich. Nicht nüchtern gemessene Werte sagen das Herz-Kreislauf-Risiko genauso gut voraus.
Eine Abnahme im Nüchternzustand wird erwogen, wenn die Triglyceride ohne Nüchternheit über 440 mg/dl (5 mmol/l) liegen. Für Ihre Blutabnahme gilt die Anweisung Ihrer Praxis, also im Zweifel 8 Stunden ohne Essen.
Wie die Zeilen zusammenhängen
Die Triglyceride reagieren am stärksten auf den Vortag: Eine Mahlzeit hebt sie an, Alkohol am Vorabend ebenfalls. Ein einzelner erhöhter Triglyceridwert aus einer nicht nüchternen Probe ist selten der Befund, nach dem er aussieht.
Das HDL bewegt sich langsam und bleibt nach einer Mahlzeit gleich. Bei ihm zeigt sich das Rauchen: In einer Studie, die Teilnehmende nach der Menge des Rauchens einteilte, hatten Rauchende höheres Gesamtcholesterin, höhere Triglyceride und höheres LDL bei niedrigerem HDL, am deutlichsten die starken Raucher.
Das Non-HDL-Cholesterin fasst das Cholesterin aller Teilchen zusammen, die sich in Gefäßwänden ablagern können. Der europäische Konsens schlägt vor, nicht nüchtern gemessene Werte ab 3,9 mmol/l (rund 150 mg/dl) zu markieren.
Warum die Markierungen von Befund zu Befund verschieden sind
Die Markierung neben einem Blutfettwert hängt von der Grenze ab, die das Labor gewählt hat. Der europäische Konsens schlägt für nicht nüchterne Proben vor, Triglyceride ab 175 mg/dl, Gesamtcholesterin ab 190 mg/dl, LDL ab 115 mg/dl und HDL bis 40 mg/dl zu markieren, nüchterne Triglyceride ab 150 mg/dl. Andere Labore drucken andere Grenzen, und dasselbe Ergebnis trägt auf dem einen Befund eine Markierung und auf dem anderen keine.
Diese Grenzen beschreiben einen wünschenswerten Wert, keine Diagnose. Nach den Berechnungen desselben Konsenses würde das Gesamtcholesterin bei 72 % der Erwachsenen eines typischen west- oder nordeuropäischen Landes markiert.
Ein LDL über 190 mg/dl kann allerdings auf eine angeborene Form des hohen Cholesterins hinweisen, die familiäre Hypercholesterinämie, die etwa 2 bis 5 von 1000 Menschen haben. Deshalb gehören Herzinfarkte und hohe Cholesterinwerte in Ihrer Familie ins Gespräch.
Was ist, wenn Blutfettwerte zu hoch sind?
Ist ein Wert erhöht, klärt Ihre Praxis zuerst die Ursache: Bewegungsmangel, Ernährung und Übergewicht, aber auch Diabetes, eine Schilddrüsenunterfunktion, Leber- oder Nierenerkrankungen und Medikamente wie Kortison. Reichen Bewegung, Gewichtsabnahme, Ernährung und Rauchstopp nicht oder ist das Risiko hoch, kommen Statine infrage.
Einige Zahlen zählen für sich allein und verdienen ein baldiges Gespräch.
- LDL über 190 mg/dlGilt in den europäischen Leitlinien schon für sich als hohes Risiko und lässt an eine familiäre Hypercholesterinämie denken.
- Triglyceride über 880 mg/dlAb 10 mmol/l steigt das Risiko einer akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse; solche Werte brauchen eine rasche Abklärung.
- Triglyceride ab 175 mg/dlOhne Nüchternheit gemessen eine Markierung wert; dauerhaft erhöht, zählen sie zum Herz-Kreislauf-Risiko.
- Lp(a) ab 50 mg/dlNicht Teil der üblichen Blutfettwerte; wenn gemessen, ein zusätzlicher Risikofaktor, den keine Mahlzeit verändert.
Was Blutfettwerte nicht sagen, und wie oft man sie misst
Blutfettwerte messen nicht den Zustand Ihrer Gefäße, sondern Stoffe, die über Jahre dazu beitragen. Über Blutdruck, Rauchen, Diabetes, Familie und Alter sagen sie nichts, und genau deshalb ist der LDL-Zielwert persönlich.
Gesetzlich Versicherte bekommen die Blutfettwerte ab 35 alle drei Jahre beim Check-up bestimmt, zwischen 18 und 34 einmal, wenn ein erhöhtes Risiko besteht. Werden Sie behandelt, legt Ihre Praxis einen eigenen Rhythmus fest.