Ratgeber 2 · mit dem Befund in der Hand

Arten der Blutuntersuchung, Gruppe für Gruppe

Blutwerte kommen in Gruppen: Blutbild, Elektrolyte, Blutfettwerte, Leberwerte, Nierenwerte, Schilddrüsenwerte und Eisenwerte. Was jede Gruppe misst und was sie offenlässt.

Die wichtigsten Zahlen

251 891
Teilnehmende in der Cochrane-Übersicht: Allgemeine Gesundheitschecks senkten die Sterblichkeit nicht.[1]
+20 %
mehr neue Diagnosen in sechs Jahren bei den Eingeladenen, ohne besseren Gesundheitsverlauf.[2]
alle 3 Jahre
Check-up ab 35 mit Blutfettwerten und Nüchternblutzucker, ohne Blutbild.[9]
30 µg/l
Ferritin-Grenze eines Schweizer Konsenses, oft über der Untergrenze auf dem Befund.[7]

Eine Gruppe, keine Liste

Was als dreißig nummerierte Zeilen auf Ihrem Laborbefund ankommt, sind in Wahrheit wenige kleine Gruppen, und innerhalb jeder Gruppe sind die Zeilen dafür gemacht, miteinander gelesen zu werden. Das Hämoglobin mit dem MCV und dem Ferritin. Die GPT mit der GOT und der Gamma-GT. Das Kreatinin mit der eGFR und mit dem, was Sie am Vortag getrunken haben.

Deshalb bringt es selten etwas, einen Befund von oben nach unten zu lesen, und deshalb erklärt jede Seite dieses Ratgebers eine Gruppe statt eines einzelnen Werts.

Warum ein einzelner Wert wenig sagt

Eine einzelne Zahl außerhalb des Referenzbereichs, für sich allein gelesen, ist der kürzeste Weg zum falschen Schluss. Ein erhöhter GPT-Wert bedeutet nach einer Grippe, nach einem üppigen Abendessen oder nach dem Beginn eines neuen Medikaments jeweils etwas anderes.

Jede Seite hier beginnt deshalb bei der Gruppe: welche Zeilen dazugehören, welche zuerst gelesen wird und welche Kombinationen eine Frage an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt wert sind.

Was eine Routineuntersuchung zeigt und was nicht

Eine Routine-Blutuntersuchung beschreibt, wie sich einige große Systeme gerade verhalten: Blutzellen, Blutzucker, Nieren, Leber, Schilddrüse, Blutfette, Eisen. Sie ist keine Krebsfrüherkennung, sie sucht nicht nach den meisten Infektionen, und Vitamin D oder B12 stehen nur darauf, wenn jemand sie angefordert hat.

Auch der Gesundheits-Check-up der gesetzlichen Krankenkassen ist schmaler, als viele denken. Ab 35 steht er Ihnen alle drei Jahre zu, und im Blut werden dabei nur die Blutfettwerte und der Nüchternblutzucker bestimmt, kein Blutbild.

Mehr Zeilen bringen nicht mehr Schutz. Eine systematische Cochrane-Übersicht über 17 randomisierte Studien mit 251 891 Teilnehmenden fand bei Erwachsenen keinen Effekt allgemeiner Gesundheitschecks auf die Sterblichkeit insgesamt, an Krebs oder an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In einer dieser Studien erhielten die Eingeladenen innerhalb von sechs Jahren 20 % mehr neue Diagnosen, ohne dass sich ihr Gesundheitsverlauf änderte. Das betrifft Untersuchungen ohne Beschwerden und ohne Anlass, nicht Werte, die wegen eines Symptoms oder einer bekannten Erkrankung bestimmt werden.

Manche Zeilen sind aus technischen statt aus medizinischen Gründen empfindlich. Kalium ist das klassische Beispiel: beim Blutabnehmen beschädigte rote Blutkörperchen geben es in die Probe ab und treiben das Ergebnis nach oben. Labore messen deshalb den Grad dieser Hämolyse und werten Proben oberhalb einer Schwelle nicht aus.

Vier Werte, die heute anders gelesen werden

Vier Zeilen liest man heute anders als vor einigen Jahren. Das zählt immer dann, wenn Sie einen neuen Befund mit einem älteren vergleichen.

  1. BlutfettwerteSeit 2016 empfehlen europäische Fachgesellschaften, sie in der Routine ohne Nüchternheit zu messen. Für die Triglyceride rät das IQWiG weiterhin zu 8 Stunden ohne Essen: Es gilt die Anweisung Ihrer Praxis.
  2. Nieren2021 empfahl eine US-amerikanische Arbeitsgruppe eine Kreatinin-Formel ohne Herkunftsvariable. Eine ältere und eine neue eGFR sind deshalb nicht immer gleich berechnet.
  3. EisenDie Grenzwerte für Eisenmangel unterscheiden sich zwischen 29 Leitlinien stark; ein Schweizer Konsens setzt das Ferritin bei Menschen ohne Entzündung bei 30 µg/l an.
  4. SchilddrüseBei einem erhöhten TSH-Wert mit normalem fT4 findet eine Übersicht von 2023 keinen Beleg, dass Schilddrüsenhormon hilft; Alter, Beschwerden und die Höhe des TSH entscheiden.

Wo Sie anfangen

Wenn Ihr Befund ein langes Blatt ist, beginnen Sie mit dem Überblick über die wichtigen Blutwerte. Er erklärt, wie die Gruppen zusammenhängen und was ein Check-up zeigen kann und was nicht. Gehen Sie danach zu der Gruppe, in der Ihre markierten Zeilen stehen: Blutbild, Elektrolyte, Blutfettwerte, Leberwerte, Nierenwerte, Schilddrüsenwerte oder Eisenwerte.

Die Artikel dieses Ratgebers

GrundlagenWelche Blutwerte sind wichtig, und was misst der Check-up?Eine offizielle Liste der wichtigsten Blutwerte gibt es nicht. Ihr Laborbefund ist ein Stapel kleiner Gruppen, und jede Gruppe wird als Ganzes gelesen, nicht Zeile für Zeile.ArtikelGroßes Blutbild: Was gehört dazu, und wie lesen Sie es?Drei Zellfamilien, gezählt und vermessen. Der Wert eines Blutbilds liegt darin, wie seine Zeilen zueinander passen, und deshalb führt das Lesen von oben nach unten am Kern vorbei.ArtikelElektrolyte im Blut: Was zeigen die Blutsalze auf Ihrem Befund?Natrium sagt nicht, wie viel Salz Sie essen. Es sagt, wie viel Wasser Sie im Verhältnis zum vorhandenen Salz mit sich tragen, und deshalb ist ein niedriges Natrium meistens eine Frage des Wassers.ArtikelBlutfettwerte: Welcher Wert ist normal, und welcher gilt für Sie?Vier oder fünf Zeilen, und eine davon ist gar kein Referenzbereich. Blutfettwerte lesen heißt wissen, welche Zeile welche ist.ArtikelLeberwerte: Was GPT, GOT und Gamma-GT wirklich aussagenDie meisten Leberwerte messen nicht, wie gut Ihre Leber arbeitet, sondern ob ihre Zellen gereizt sind. Die Gamma-GT etwa funktioniert wie ein Sensor für Verschmutzung in einer Fabrik: Sie schlägt an, wenn etwas die Leber belastet, verrät aber nicht, was es ist.ArtikelSchilddrüsenwerte: Wie Sie TSH, fT4 und fT3 richtig lesenDas TSH arbeitet wie ein Thermostat: Es ist kein Schilddrüsenhormon, sondern das Signal, mit dem die Hirnanhangdrüse die Schilddrüse hochregelt, und es bewegt sich gegenläufig zur Drüse. Wer das verstanden hat, liest den Rest der Schilddrüsenwerte fast von allein.ArtikelNierenwerte: Was Kreatinin, eGFR und Harnstoff zeigenDie Nieren arbeiten wie ein Filter, und Kreatinin ist ein Abfallstoff der Muskeln, den dieser Filter aus dem Blut holt. Die eGFR schätzt, wie gut er das tut, und keiner dieser Werte ist an einem einzelnen Tag eine Diagnose.ArtikelEisenwerte im Blutbild: Was Ferritin über Ihren Eisenspeicher sagtFerritin ist der Tresor, in dem Ihr Körper Eisen für später aufbewahrt, die Transferrinsättigung zeigt, was gerade unterwegs ist, und die Grenze zwischen Mangel und ausreichendem Vorrat ist unter Fachleuten tatsächlich umstritten.

Ihre eigenen Ergebnisse

Ihre Blutwerte, Zeile für Zeile erklärt

Laden Sie Ihren Laborbefund hoch: In wenigen Minuten sortiert der vollständige Bericht jeden Wert danach, was Aufmerksamkeit braucht, gemessen an den Referenzbereichen, die Ihr eigenes Labor angibt, erklärt jeden einzeln und endet mit einem Aktionsplan und Fragen für Ihr Arztgespräch.

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Quellen

Leitlinien, Konsenserklärungen und begutachtete Studien. Jede Zahl auf dieser Seite stammt aus einer dieser Quellen. Preprints werden nicht zitiert.

  1. Systematische Übersichtsarbeit

    General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease

    Cochrane Database of Systematic Reviews · 2019doi:10.1002/14651858.CD009009.pub3

  2. Systematische Übersichtsarbeit

    General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease: Cochrane systematic review and meta-analysis

    BMJ · 2012doi:10.1136/bmj.e7191

  3. Validierungsstudie

    Effects of the hemolytic index on the test results of a dry chemistry analyzer and a verification of the hemolytic interference threshold

    Annals of Palliative Medicine · 2022doi:10.21037/apm-22-292

  4. Konsenserklärung

    Fasting is not routinely required for determination of a lipid profile: a joint consensus statement from the European Atherosclerosis Society and the European Federation of Clinical Chemistry and Laboratory Medicine

    European Heart Journal · 2016doi:10.1093/eurheartj/ehw152

  5. Empfehlung

    A Unifying Approach for GFR Estimation: Recommendations of the NKF-ASN Task Force on Reassessing the Inclusion of Race in Diagnosing Kidney Disease

    American Journal of Kidney Diseases · 2021doi:10.1053/j.ajkd.2021.08.003

  6. Systematische Übersichtsarbeit

    Guidelines on the diagnosis and treatment of iron deficiency across indications: a systematic review

    The American Journal of Clinical Nutrition · 2015doi:10.3945/ajcn.114.103366

  7. Expertenkonsens

    Swiss Delphi study on iron deficiency

    Swiss Medical Weekly · 2019doi:10.4414/smw.2019.20097

  8. Übersichtsarbeit

    Subclinical hypothyroidism, outcomes and management guidelines: a narrative review and update of recent literature

    Current Medical Research and Opinion · 2023doi:10.1080/03007995.2023.2165811

  9. Richtlinie

    Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie: Richtlinie über die Gesundheitsuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten

    Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) · 2020

  10. Patienteninformation

    Triglyceride

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de · 2025

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