Welche Werte zu den Nierenwerten gehören

Zu den Nierenwerten auf einem deutschen Befund gehören vor allem das Kreatinin, angegeben in mg/dl oder µmol/l, die daraus berechnete eGFR und der Harnstoff. Oft stehen daneben die Elektrolyte im Blut, die die Nieren im Gleichgewicht halten, etwa Natrium und Kalium. Welche Zeilen genau erscheinen, hängt vom Labor und von der Anforderung ab; prüfen Sie die Zeilen auf Ihrem eigenen Befund.

Gelesen werden diese Werte immer als Gruppe. Kreatinin und eGFR beschreiben die Filterleistung, der Harnstoff wird gegen das Kreatinin gelesen, und die Elektrolyte zeigen das Gleichgewicht, das die Nieren halten. Bei den Einheiten hilft ein Beispiel: Ein Kreatinin von 1,0 mg/dl entspricht 88 µmol/l, es ist derselbe Wert in einer anderen Einheit.

Kreatinin misst Ihre Muskeln ebenso wie Ihre Nieren

Kreatinin entsteht in den Muskeln und wird über die Nieren ausgeschieden. Wie viel davon im Blut ist, hängt deshalb von zwei Dingen ab: wie gut die Nieren es ausscheiden und wie viel Muskelmasse es bildet.

Dieser zweite Punkt erklärt Ergebnisse, die sonst widersprüchlich wirken. Ein kräftiger junger Mann und eine zierliche ältere Frau mit gleicher Nierenfunktion haben nicht dasselbe Kreatinin. Die hausärztliche Leitlinie zählt die üblichen Störfaktoren auf: sehr viel oder sehr wenig Muskelmasse, Bodybuilding, eiweißreiche Ernährung, Kreatin-Präparate und einige Medikamente wie Trimethoprim oder Fibrate. Sie alle verschieben das Kreatinin, ohne dass sich an den Nieren etwas ändert.

Schon eine einzige Mahlzeit zählt. Eine Portion gekochtes Fleisch oder gekochter Fisch kann das Kreatinin um etwa 0,23 mg/dl erhöhen, genug, um die eGFR um rund 20 Punkte zu senken; wer danach mindestens 12 Stunden wartet, umgeht den Effekt.

Umgekehrt steigt das Kreatinin laut IQWiG erst merklich, wenn die Nieren schon etwa die Hälfte ihrer Leistung verloren haben. Ein Wert im Referenzbereich schließt eine beginnende Nierenschwäche also nicht aus. Und die Referenzbereiche unterscheiden sich nach Geschlecht: Das IQWiG nennt als Orientierung 0,46 bis 1,00 mg/dl für Frauen und 0,57 bis 1,18 mg/dl für Männer.

Die eGFR ist eine Rechnung, keine Messung

Die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate auf Ihrem Befund wurde nicht gemessen. Das Labor berechnet sie aus Kreatinin, Alter und Geschlecht, meist nach der CKD-EPI-Formel, die laut hausärztlicher Leitlinie die meisten Labore verwenden. Angegeben wird sie in ml/min/1,73 m², also bezogen auf eine durchschnittliche Körperoberfläche statt auf Ihre. Die aktuelle Fassung der Formel von 2021 verzichtet auf die frühere Angabe der Herkunft, ein älterer Befund ist deshalb nicht immer direkt vergleichbar.

Praktisch heißt das: Die eGFR eignet sich hervorragend, um einen Verlauf zu verfolgen, und schlecht, um eine einzelne Nachkommastelle zu deuten. Bei ungewöhnlicher Muskelmasse kann ein zweiter Marker, das Cystatin C, die Schätzung absichern; in der Hausarztpraxis ist er laut Leitlinie bisher unüblich.

Zwei Werte aus verschiedenen Laboren oder nach verschiedenen Formeln sind nicht direkt vergleichbar. Ein Sprung in Ihrer Kurve beim Laborwechsel gehört zur Methode, nicht zu Ihren Nieren.

Welche Nierenwerte sind im Alter normal?

Die eGFR sinkt mit dem Alter, auch ohne Nierenkrankheit. Die hausärztliche Leitlinie hält einen Rückgang von 1 bis 2 ml/min/1,73 m² pro Jahr nach dem 40. Lebensjahr für normal, und im höheren Alter kann die eGFR auch ohne Krankheit unter 60 liegen. Eine eGFR von 58 bei einem 80-Jährigen ist also etwas anderes als derselbe Wert mit 30 Jahren.

In der bundesweiten Studie des Robert Koch-Instituts (DEGS1) hatten 2,3 % der 18- bis 79-Jährigen eine eGFR unter 60: unter 50 Jahren kaum jemand, zwischen 70 und 79 Jahren jede achte Person. Starre Grenzen täuschen hier am meisten, denn ein einziger Grenzwert für alle Altersgruppen bildet diesen langsamen Rückgang nicht ab.

1–2
ml/min/1,73 m² weniger eGFR pro Jahr ab 40 gelten laut Leitlinie als normal[3]
1 von 8
Menschen zwischen 70 und 79 Jahren mit einer eGFR unter 60 (DEGS1)[4]

Ein einzelner Wert ist noch keine chronische Nierenkrankheit

Eine einzelne erniedrigte eGFR ist ein Befund, keine Diagnose. Eine chronische Nierenkrankheit setzt Veränderungen voraus, die mindestens drei Monate bestehen: typischerweise eine eGFR unter 60 oder einen Albumin-Kreatinin-Quotienten im Urin (UACR) von 30 mg/g oder mehr, bestätigt bei einer erneuten Messung. Die hausärztliche Leitlinie sieht deshalb bei einer erstmals erniedrigten eGFR eine zweite Bestimmung nach drei Monaten vor.

Der Urin zählt dabei so viel wie das Blut, denn Albumin im Urin zeigt, was kein Blutwert zeigt. Bei Diabetes rät die Leitlinie zu einer jährlichen eGFR, bei neu entdecktem Bluthochdruck zu einer Kreatininbestimmung und bei einer eGFR unter 60 zu einem Urintest auf Albumin. Beim Gesundheits-Check-up ab 35 wird zudem eine Urinprobe unter anderem auf Eiweiß untersucht, was Hinweise auf eine Nierenerkrankung geben kann.

Umgekehrt ist eine beginnende Nierenkrankheit häufig und still. In der Studie des Robert Koch-Instituts wussten nur 28 % der Menschen mit einer eGFR unter 60 davon; hochgerechnet sind in Deutschland mindestens 2 Millionen Menschen betroffen. Wenn Sie Diabetes oder Bluthochdruck haben, fragen Sie, ob Ihre Nierenkontrolle einen Urintest einschließt.

  1. Ist das der erste niedrige Wert?Ein einmal gesehener Wert wird kontrolliert; erst derselbe Wert bei mehreren Blutabnahmen im Abstand von Monaten zeigt einen Verlauf.
  2. Wurde mein Urin untersucht?Ein Albumin-Kreatinin-Quotient im Urin kann einen Nierenschaden zeigen, während die eGFR noch normal aussieht.

Harnstoff und der Rest des Befunds

Der Harnstoff steigt bei Flüssigkeitsmangel, bei sehr eiweißreicher Ernährung und nach größerem Blutverlust, nicht nur bei eingeschränkter Nierenfunktion. Wegen einer Nierenschwäche steigt er laut IQWiG erst merklich, wenn die Nieren über 75 % ihrer Funktion verloren haben. Er wird deshalb neben dem Kreatinin gelesen, nie allein. Manche Befunde nennen statt Harnstoff den Harnstoff-Stickstoff (BUN): Ein BUN von 15 mg/dl entspricht etwa 32 mg/dl Harnstoff.

Die Elektrolyte im selben Befund beschreiben das Gleichgewicht, das die Nieren halten, vor allem Natrium und Kalium. Sie verändern sich aus vielen Gründen, auch durch mehrere häufige Medikamente, und werden als Gruppe gelesen.