Die Antwort in einem Satz

Ja. Wasser ist während der gesamten Nüchternzeit vor der Blutabnahme erlaubt, bis zur Abnahme selbst. Das IQWiG definiert den Nüchternblutzucker als Wert nach mindestens 8 Stunden ohne Essen und ohne Getränke „außer Wasser“, und auch der europäische Vorschlag für eine einheitliche Nüchterndefinition erlaubt Wasser ausdrücklich. Wasser ist die vorgesehene Ausnahme, kein geduldeter Regelbruch.

Das klar zu sagen lohnt sich, denn die Verwirrung ist groß. Als Forschende 150 Menschen bei der Ankunft im Labor befragten, konnten nur 39 % Nüchternheit richtig definieren, und mehr als die Hälfte hatte gar keine Hinweise bekommen. Wenn es Ihnen niemand erklärt hat, sind Sie in guter Gesellschaft.

Ist man nach einem Glas Wasser noch nüchtern?

Ja, und dazu gibt es eine direkte Studie. Zwanzig nüchternen Frauen wurde Blut abgenommen, dann tranken sie 300 ml Wasser, etwa anderthalb Gläser, und eine Stunde später wurde erneut abgenommen. Verglichen wurden 16 übliche Laborwerte, darunter Blutzucker, Cholesterin, Triglyceride, Kreatinin, Leberwerte und CRP.

Einige Werte bewegten sich minimal, das Gesamteiweiß etwa von 73 auf 74 g/l im Median. Keine Veränderung war klinisch bedeutsam, und der Blutzucker änderte sich nicht nennenswert. Die Studie ist klein und sagt nichts über einen Liter in einem Zug. Sie zeigt aber: Ein, zwei Gläser am Morgen heben Ihre Nüchternheit nicht auf.

300 ml
Wasser eine Stunde vor der zweiten Blutabnahme.[10]
16
übliche Laborwerte verglichen, keiner klinisch bedeutsam verändert.[10]

Warum Trinken hilft und Dursten nichts bringt

Der erste Grund ist praktisch. Wer genug getrunken hat, hat besser gefüllte Venen, und das Praxisteam findet leichter eine; darauf weisen auch Klinikhinweise aus den USA ausdrücklich hin. Die europäische Empfehlung zur venösen Blutentnahme zählt die Vorbereitung der Patientinnen und Patienten zur Qualität der Probe, nicht zur Höflichkeit.

Der zweite: Verzicht macht das Ergebnis nicht genauer. In einer Studie mit 37 Freiwilligen blieben nach 12 Stunden ganz ohne Essen und Trinken Plasmavolumen, Hämatokrit und Hämoglobin unverändert. Anders nach hartem Sport: Dabei verschiebt sich Flüssigkeit aus den Gefäßen, und Hämoglobin, Hämatokrit und Albumin steigen. Zwölf Stunden Durst „zur Sicherheit“ bringen also nichts.

Was als Wasser zählt und was nicht

Leitungs- oder Flaschenwasser, kalt oder warm: Solange nichts zugesetzt ist, zählt es. Das IQWiG spricht bei der Nüchternheit vor der Cholesterinmessung ausdrücklich von „stillem Wasser“. Wer sichergehen will, trinkt am Morgen der Blutabnahme also Wasser ohne Kohlensäure.

Alles andere bricht die Nüchternheit, auch Getränke, die sich wie Wasser anfühlen: Saft, Kaffee, Tee, Limonade, Wasser mit Zitrone oder Aroma, Kokoswasser, Sportgetränke und zuckerfreie Softdrinks. Was sie enthalten, gelangt ins Blut und kann die Ergebnisse beeinflussen.

Schwarzer Kaffee ist der häufigste Fehler und kein harmloser: In einer kontrollierten Studie fiel der Blutzuckeranstieg nach einer Mahlzeit um 147 bis 216 % stärker aus, wenn vorher koffeinhaltiger statt entkoffeinierter Kaffee getrunken wurde.

  1. Wasser: jaDas einzige Getränk, das während der Nüchternzeit erlaubt ist, bis zur Blutabnahme.
  2. Kaffee und Tee: neinOb schwarz, entkoffeiniert oder Kräutertee: Sie warten bis nach der Blutabnahme.
  3. Aromatisiert oder „zero“: neinZitronenscheibe, Aromatropfen, Elektrolytpulver und Light-Getränke fügen etwas hinzu.
  4. Kaugummi und Zigaretten: neinBeides ist kein Getränk, steht aber auf der Liste dessen, was während der Nüchternzeit wegfällt.

Wie lange vor der Blutabnahme darf man Wasser trinken?

Bis zur Blutabnahme. Anders als für Essen gibt es für Wasser keine Frist, ein Glas im Wartezimmer ist erlaubt. Eine Zielmenge gibt es auch nicht: Trinken Sie wie gewohnt, auch ein, zwei Gläser am Morgen des Termins. Es geht nicht darum, vorzutanken, sondern darum, nach einer Nacht ohne Flüssigkeit nicht ausgetrocknet anzukommen.

Wenn Sie durstig aufwachen, trinken Sie. Durst am Morgen vor einer Nüchternblutabnahme ist ein Signal für ein Glas Wasser, keine Willensprüfung. Steht auf Ihrem Laborhinweis für eine bestimmte Untersuchung ausdrücklich etwas anderes, gilt dieser Hinweis.

Wasser vor jeder Blutabnahme?

Ja. Braucht Ihr Auftrag gar keine Nüchternheit, dürfen Sie normal essen und trinken, Wasser eingeschlossen. Ein häufiges Beispiel ist der HbA1c: Er ist laut Deutscher Diabetes Gesellschaft unabhängig vom Nüchternzustand.

Für Diabetes-Kontrollen oder die Blutfettwerte ändert sich nichts: Wasser ist für den Blutzucker, das Lipidprofil und alles andere auf demselben Auftrag erlaubt. Nicht das Wasser ist am Morgen einer Blutabnahme das Problem, sondern zu wenig davon.

Zähneputzen, Sport und Tabletten

Zum Zähneputzen gibt es keine einheitliche Vorgabe der Labore: Die Nüchternregel betrifft das, was Sie essen und trinken. Fragen Sie im Zweifel in der Praxis nach, die Ihnen Blut abnimmt. Sicher ist dagegen: Tee, ob grün, schwarz oder Kräutertee, ist kein Wasser, ein Pfefferminzbonbon auch nicht.

Sport lassen Sie vor der Blutabnahme aus. Harte Belastung verschiebt Flüssigkeit, wie die Studie oben zeigt: Gehen Sie zum Termin, statt zu laufen.

Tabletten nehmen Sie wie gewohnt mit Wasser, sofern Ihre Praxis nichts anderes gesagt hat; auch das IQWiG nennt Wasser als das beste Getränk dafür. Wer Insulin oder eine Diabetestablette wie einen Sulfonylharnstoff nimmt, klärt vorher, was am Morgen gilt, denn diese Medikamente nüchtern wie gewohnt einzunehmen, kann den Blutzucker zu stark senken.