Die kurze Antwort

Nicht, solange Sie nüchtern sind. Die europäische Empfehlung zur nüchternen Blutabnahme rät, am Morgen der Abnahme weder zu rauchen noch koffeinhaltige Getränke zu trinken; Wasser ist erlaubt. Für jede Blutabnahme ist es am einfachsten, die Zigarette auf die Zeit danach zu verschieben.

Der wichtigere Punkt: Regelmäßiges Rauchen verschiebt Ihre Ausgangswerte. Das IQWiG nennt Zigaretten ausdrücklich unter den Genussmitteln, die Laborwerte beeinflussen. Was Jahre des Rauchens an Ihren Werten verändert haben, wiegt schwerer als die eine Zigarette vor dem Termin.

Wie lange vor der Blutabnahme keine Zigaretten?

Das hängt davon ab, ob Sie nüchtern kommen sollen. Eine offizielle Mindestzeit für Routine-Blutabnahmen ohne Nüchternheit gibt es in Deutschland nicht; maßgeblich ist die Anweisung Ihrer Praxis oder Ihres Labors.

Beim Zuckerbelastungstest (oGTT) ist die Regel dagegen klar: Die Deutsche Diabetes Gesellschaft verlangt 8 bis 12 Stunden ohne Essen, Nikotin und Alkohol und kein Rauchen vor oder während des Tests. Der Grund ist derselbe wie bei jeder nüchternen Probe: Sie soll Ihren Grundzustand zeigen, nicht Ihre letzte Zigarette.

  1. Nüchterne BlutabnahmeAm Morgen der Abnahme nicht rauchen, auch keine E-Zigarette.
  2. Zuckerbelastungstest (oGTT)8 bis 12 Stunden vorher kein Nikotin, und auch während des Tests nicht.
  3. Ohne NüchternheitFragen Sie nach. Ohne Angabe warten Sie bis nach der Abnahme.

E-Zigarette, Tabakerhitzer und Nikotinbeutel

Die meisten Anweisungen sprechen vom Rauchen und sagen wenig über E-Zigaretten, Tabakerhitzer oder Nikotinbeutel. Vorsichtig gelesen behandeln Sie diese während der Nüchternzeit genauso, denn das Nikotin haben sie mit der Zigarette gemeinsam. Beim oGTT spricht die DDG ausdrücklich von Nikotin, nicht nur vom Rauchen.

Nutzen Sie solche Produkte regelmäßig, erwähnen Sie es genauso wie Zigaretten. Es ist Kontext für die Person, die Ihre Werte liest.

Welche Blutwerte sind bei Rauchern erhöht?

Das überrascht viele beim Lesen des eigenen Befunds. Vergleicht man gesunde Raucher mit Nichtrauchern, haben Raucher messbar mehr weiße Blutkörperchen (Leukozyten), mehr Hämoglobin, einen höheren Hämatokrit und ein größeres MCV im Blutbild.

Der Effekt wächst mit der Menge. In einer indischen Studie hatten starke Raucher mehr rote und weiße Blutkörperchen, vor allem mehr Neutrophile, und dazu ungünstigere Blutfettwerte: mehr Gesamtcholesterin, Triglyceride und LDL, weniger HDL.

Das Zentrallabor des Universitätsklinikums Tübingen fasst es für die Praxis zusammen: Rauchen erhöht vor allem Entzündungswerte wie Leukozyten und CRP sowie den Tumormarker CEA; auch das IQWiG nennt Rauchen als mögliche Ursache erhöhter Leukozyten. Wer raucht, sollte das deshalb auch erwähnen, wenn ein CEA bestimmt wird.

Im Extremfall: Eine US-Klinik beschrieb 40 Erwachsene, deren dauerhaft erhöhte Leukozyten nach Ausschluss anderer Ursachen auf das Rauchen zurückgingen. Fast alle hatten zu viele Neutrophile. Eine Raucherin kann also mit Leukozyten über dem Referenzbereich kommen, ohne irgendwo eine Infektion zu haben. Die Markierung stimmt, der Alarm vielleicht nicht.

13,3 /nl
Durchschnittliche Leukozyten (13,3 Tsd./µl) bei 40 Erwachsenen, deren Erhöhung auf das Rauchen zurückging.[8]
98 %
Anteil dieser Erwachsenen mit erhöhten Neutrophilen, dem typischsten Muster.[8]

Verändert Rauchen den HbA1c?

Ja, leicht. In einer gemeinsamen Auswertung von rund 35.000 Erwachsenen ohne bekannten Diabetes lag der HbA1c bei Rauchern um 0,10 Prozentpunkte (1,1 mmol/mol) höher als bei Menschen, die nie geraucht hatten. Ihr Nüchternblutzucker unterschied sich nicht, und der Blutzucker zwei Stunden nach einem Zuckergetränk war sogar niedriger.

Für einen einzelnen Menschen ist das wenig, aber es liegt nahe an der Grenze für die Diagnose: Die Deutsche Diabetes Gesellschaft setzt Diabetes ab einem HbA1c von 6,5 % (48 mmol/mol) an. Die Autoren halten fest, dass der Unterschied die Chance verändert, mit Diabetes diagnostiziert zu werden, je nachdem, welcher Test verwendet wird. Liegt Ihr HbA1c knapp an der Grenze und Sie rauchen, sprechen Sie es an.

Kann man bei der Blutabnahme sehen, ob man raucht?

Nicht direkt. Kein Wert eines üblichen Blutbilds oder einer Routine-Chemie misst Nikotin; das geschieht nur, wenn ein solcher Test gezielt angefordert wird.

Rauchen hinterlässt aber Spuren in den gemessenen Werten: mehr Leukozyten, mehr Hämoglobin, ein in die falsche Richtung verschobenes Blutfettprofil. Deshalb hilft es, zu sagen, dass Sie rauchen und ungefähr wie viel. Die europäische Empfehlung zur Blutabnahme zählt die Vorbereitung der Patientinnen und Patienten ausdrücklich zur Qualität der Probe.

Dasselbe gilt, wenn Sie Ihren Befund selbst lesen. Referenzbereiche stammen von gesunden Menschen, und selbst von ihnen liegen 5 % außerhalb. Eine Markierung bei Ihren Leukozyten vergleicht Sie mit gesunden Menschen insgesamt, nicht mit Menschen, die so viel rauchen wie Sie.

Nach dem Rauchstopp: wie schnell sich die Werte bewegen

Viele dieser Werte erholen sich über Wochen bis Monate, nicht über Tage. In der genannten Klinikserie sanken die Leukozyten nach dem Reduzieren oder Aufhören typischerweise nach etwa 8 Wochen; die Spanne reichte von 2 bis 49 Wochen.

In einer US-Studie, die Raucherinnen und Raucher bei einem Rauchstopp begleitete, hatten diejenigen, die ein Jahr später noch rauchfrei waren, weniger Leukozyten als die Weiterrauchenden, obwohl sie etwas zugenommen hatten.

Zwei Tage ohne Zigarette, damit der Befund besser aussieht, bringen also wenig. Halten Sie sich an die Anweisung für den Morgen der Abnahme; ein kurzer Verzicht davor ist keine Strategie. Begleitet eine Blutuntersuchung Ihren Rauchstopp, vergleichen Sie mit Ihrem früheren Befund statt mit dem gedruckten Bereich.