Die kurze Antwort

Nicht, wenn Sie nüchtern zur Blutabnahme kommen sollen, und auch schwarz und ungesüßt nicht. Nüchtern heißt: nichts außer Wasser; so definiert das IQWiG auch den Nüchternblutzucker. Der europäische Vorschlag für eine einheitliche Nüchterndefinition schließt koffeinhaltige Getränke am Morgen der Blutabnahme ausdrücklich aus. Braucht nichts auf Ihrem Auftrag Nüchternheit, ist ein Kaffee vorher in der Regel kein Problem.

Spannender ist das Warum. Kaffee vor der Blutabnahme ist einer der häufigsten Ausrutscher, und die Studienlage hinter der Regel ist gemischter, als das Schild am Empfang vermuten lässt. Hier steht, was die Studien zeigen, welche Werte betroffen sind und was Sie tun, wenn Sie schon eine Tasse getrunken haben.

Warum auch schwarzer Kaffee zählt

Der Gedanke liegt nahe: kein Zucker, keine Milch, kaum Kalorien, also kann es nicht schaden. Mit Kalorien hat die Antwort aber wenig zu tun. Kaffee ist für den Stoffwechsel nicht neutral.

In einer Crossover-Studie tranken zehn gesunde Männer eine Stunde vor einer Mahlzeit koffeinhaltigen oder entkoffeinierten Kaffee. Nach dem koffeinhaltigen fiel der Blutzuckeranstieg um 147 bis 216 % stärker aus, und zusammen mit der Mahlzeit mit hohem glykämischem Index sank die Insulinempfindlichkeit um 40 %. Die Dosis war großzügig: 5 mg Koffein pro Kilogramm Körpergewicht, bei 70 kg also rund 350 mg. In einer zweiten Studie hob Kaffee eine halbe Stunde vor einer Zuckerlösung das Insulin stärker an als Wasser.

Eine Metaanalyse von sieben randomisierten Studien an Gesunden bestätigt die Richtung: Kurzfristig aufgenommenes Koffein senkt die Insulinempfindlichkeit. Genau davor schützt die Nüchternregel, nämlich dass etwas in der Tasse den Umgang des Körpers mit Zucker verändert, an dem Morgen, an dem der Nüchternblutzucker Ihren Ausgangswert zeigen soll.

Was neuere Studien zeigen

Zwei kleine Studien weisen in die andere Richtung, und das gehört dazu. 2023 nahmen Forschende 27 Freiwilligen vor und eine Stunde nach einem Espresso ohne Zucker (90 ml, 60 mg Koffein) Blut ab. Mehrere Werte verschoben sich leicht, aber keiner so stark, dass es klinisch zählte, weder bei der üblichen klinischen Chemie noch im Blutbild. Der Blutzucker lag im Median vorher bei rund 86, danach bei 85 mg/dl.

In einer randomisierten Studie von 2021 kamen zehn Erwachsene nach 10 Stunden Nüchternheit ins Labor und tranken Wasser oder schwarzen Kaffee. Eine halbe Stunde später waren Nüchtern-Triglyceride und Blutzucker in beiden Fällen gleich.

Die ehrliche Lesart: Ein schwarzer Kaffee verschiebt Routinewerte wahrscheinlich weniger, als die Regel vermuten lässt. Aber die Studien sind klein, eine Tasse ist nicht wie die andere (zwischen 51 und 322 mg Koffein je nach Marke), und andere Arbeiten sahen den Nüchternblutzucker eine Stunde nach einem großen Milchkaffee um fast 12 % steigen. Bis sich die Empfehlungen ändern, gilt die Regel.

Für welche Werte Kaffee zählt

Am meisten zählt der Nüchternblutzucker. Für ihn gibt es die Nüchternheit überhaupt: laut DDG 8 bis 12 Stunden, laut IQWiG mindestens 8 Stunden ohne alles außer Wasser. Und der Umgang mit Zucker ist genau das, was sich in den Kaffeestudien veränderte.

Bei den Blutfettwerten hat sich das Bild geändert, allerdings nicht wegen des Kaffees: Die europäischen Fachgesellschaften empfehlen seit 2016, Blutfettwerte ohne Nüchternheit zu messen, und das IQWiG hält Nüchternheit für das Cholesterin nicht für zwingend. Bittet Ihr Labor trotzdem darum, gilt laut IQWiG: 8 Stunden nichts essen, nur stilles Wasser, also auch kein Kaffee. Beim Gesundheits-Check-up ab 35 werden Blutfette und Nüchternblutzucker zusammen bestimmt, deshalb kommen Sie dort nüchtern und ohne Kaffee.

  1. NüchternblutzuckerKein Kaffee während der ganzen Nüchternzeit, ob schwarz oder nicht.
  2. BlutfettwerteHängt von Ihrem Labor ab: Ohne Nüchternheit entfällt auch die Kaffeeregel.
  3. Blutbild, Leber, NiereMeist ohne Nüchternheit abgenommen; ein Espresso änderte sie in einer Studie von 2023 nicht klinisch bedeutsam.
  4. HbA1cLaut DDG unabhängig von Tageszeit und Nüchternzustand.

Entkoffeiniert, Milch und Tee

Entkoffeinierter Kaffee ist kein Schlupfloch. In der wichtigsten Studie war er das Vergleichsgetränk, nicht das neutrale: Gezeigt wurde, dass koffeinhaltiger Kaffee schlechter abschnitt als entkoffeinierter, nicht dass entkoffeinierter so harmlos ist wie Wasser.

Milch, Sahne, Zucker und Sirup bringen zusätzlich Kalorien, damit wird die Tasse zur Mahlzeit. Auch Tee enthält Koffein, Kräutertees enthalten Pflanzenstoffe, die kein Wasser sind, und Energydrinks fallen mit oder ohne Zucker unter dieselbe Regel. Die einzige Ausnahme ist stilles Wasser: Es bleibt während der ganzen Nüchternzeit erlaubt und erleichtert die Blutabnahme.

Wie lange vor der Blutabnahme kein Kaffee?

Während der ganzen Nüchternzeit, nicht nur in der letzten Stunde. Sollen Sie 8 bis 12 Stunden nüchtern sein, gehört der Kaffee auf die andere Seite dieses Zeitfensters, zusammen mit dem Abendessen. Praktisch heißt das: Ihr letzter Kaffee ist der vom Vortag, der nächste kommt nach der Blutabnahme. Ein möglichst früher Termin verkürzt das Warten.

Wer Medikamente wie L-Thyroxin nimmt, hat eine zweite Regel: Die Uniklinik Köln rät, die Tablette am Tag der Blutkontrolle erst nach der Abnahme einzunehmen, mit Wasser, und Kaffee erst 20 bis 30 Minuten später zu trinken. Der Kaffee danach wartet also noch kurz.

Steht nichts auf dem Auftrag, das Nüchternheit braucht, ist Kaffee vor der Blutabnahme kein Thema: Trinken Sie Ihre gewohnte Tasse.

Wenn Sie schon einen getrunken haben

Sagen Sie es am Empfang, bevor die Nadel sitzt, nicht danach. Die europäische Empfehlung zur venösen Blutentnahme erlaubt eine Abnahme ohne Nüchternheit nur im Notfall oder für Werte, die nachweislich keine Nüchternheit brauchen.

Zwei Ausgänge sind normal: Die Nüchternwerte bekommen einen neuen Termin, oder das Praxisteam entscheidet, was heute noch abgenommen werden kann. Beides ist besser als ein Nüchternblutzucker, von dem niemand weiß, dass er nicht nüchtern war.

Schweigen und hoffen sollten Sie nicht. Ein Blutzucker, der als nüchtern gelesen wird, es aber nicht war, kann in Richtung einer Diagnose schieben, die Sie nicht haben, oder eine verdecken, die Sie haben.