Die kurze Antwort

In den meisten Fällen ja: Nehmen Sie Ihre üblichen Medikamente wie gewohnt, wenn nichts anderes vereinbart ist. Das IQWiG weist darauf hin, dass Tabletten oft mit einem Glas Wasser geschluckt werden, auch wenn man sonst nüchtern bleiben soll; Wasser ist dafür ohnehin am besten geeignet.

Die Ausnahmen sind wenige: Mittel, die den Blutzucker senken, wenn Sie nüchtern zur Blutabnahme kommen; einige Tabletten, die besser erst nach der Abnahme genommen werden, allen voran L-Thyroxin; und Nahrungsergänzungsmittel, die die Messung selbst stören.

Nie eigenmächtig absetzen

Setzen Sie kein Medikament ab, damit ein Wert besser aussieht. Einen Gerinnungshemmer, eine Blutdrucktablette, ein Mittel gegen Epilepsie oder ein Schilddrüsenhormon zu unterbrechen, kann ein echtes Risiko sein; der Wert selbst wäre höchstens eine Unannehmlichkeit gewesen. Muss etwas pausiert werden, sagt das die verordnende Praxis, ausdrücklich und mit Zeitangabe.

Manche Universitätslabore, etwa in Bonn, nehmen am liebsten morgens vor der Medikamenteneinnahme ab. Fragen Sie deshalb bei der Terminvergabe, ob Sie die Morgentabletten vorher nehmen oder mitbringen und gleich danach schlucken sollen.

Kann ich vor der Blutabnahme meine Blutdrucktabletten nehmen?

In aller Regel ja, wie gewohnt. Verordnete Medikamente werden auch vor einer nüchternen Blutabnahme meist weiter genommen, so etwa die Cleveland Clinic. Eine Blutdrucktablette aus eigenem Antrieb wegzulassen, ist keine gute Vorbereitung.

Anders kann es sein, wenn der Spiegel eines Medikaments selbst gemessen wird: Dafür nimmt das Göttinger Universitätslabor üblicherweise vor der nächsten Einnahme ab. Das steht dann auf Ihrer Anweisung.

Diabetesmittel und nüchterne Blutabnahme

Das ist die Ausnahme, die für Ihre Sicherheit am meisten zählt. Insulin und manche Diabetestabletten senken den Blutzucker, und die US-Gesundheitsbehörde NIDDK warnt, dass blutzuckersenkende Mittel beim Fasten für eine Untersuchung das Risiko einer Unterzuckerung erhöhen. Auch laut IQWiG sind zu hoch dosierte Diabetesmittel die häufigste Ursache eines zu niedrigen Nüchternblutzuckers.

Wenn Sie solche Mittel nehmen, klären Sie vor dem Termin mit Ihrer Praxis, was am Morgen der Abnahme gilt: nehmen, verringern oder verschieben. Wählen Sie einen frühen Termin, nehmen Sie etwas zu essen für danach mit und melden Sie sich sofort, wenn Ihnen unwohl wird. Und fragen Sie, ob überhaupt ein Nüchternwert ansteht: Die Liste der Blutwerte, die Nüchternheit verlangen, ist kurz.

Muss ich L-Thyroxin vor der Blutabnahme einnehmen?

Am Tag der Kontrolle meist nicht vorher, sondern danach. L-Thyroxin (Wirkstoff Levothyroxin, in Deutschland etwa als Euthyrox oder L-Thyroxin Henning im Handel) ist das bekannteste Beispiel für ein Medikament, das nicht abgesetzt, sondern verschoben wird. Die Uniklinik Köln schreibt in ihrer Patienteninformation: am Untersuchungstag vor der Blutentnahme nicht einnehmen, auch wenn eine andere Praxis Blut abnimmt.

Der Grund: Nach der Einnahme steigen die Schilddrüsenhormone T4 und fT4 im Blut um etwa 15 % an, mit einem Gipfel nach rund vier Stunden, so die Leitlinie der American Thyroid Association. Wird das fT4 in diesem Zeitfenster bestimmt, kann es höher ausfallen als Ihr üblicher Wert. Die DEGAM-Leitlinie für Hausarztpraxen verlangt außerdem, Kontrollen jeweils unter denselben Bedingungen abzunehmen.

Also: Tablette mitnehmen, nach der Abnahme mit Wasser einnehmen und wie gewohnt mindestens 30 Minuten bis zum Frühstück warten. Ausgelassen wird die Dosis nicht, nur verschoben.

Biotin, Eisen und andere Nahrungsergänzungsmittel

Rezeptfrei heißt nicht neutral. Biotin ist das deutlichste Beispiel: Viele Labortests, etwa für Hormone, Herz- oder Tumormarker, beruhen auf einer Biotin-Bindung. Zu viel Biotin im Blut stört dann die Messmethode, nicht Ihren Körper. Ein Rote-Hand-Brief, abgestimmt mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), warnte 2019 vor falschen Werten bis hin zu Schilddrüsenbefunden, die eine Basedow-Krankheit vortäuschten.

In einer US-Studie nahmen sechs Gesunde eine Woche lang 10 mg Biotin am Tag, eine in frei verkäuflichen Präparaten übliche Dosis. Danach lieferten 9 von 23 biotinbasierten Tests möglicherweise irreführende Ergebnisse, falsch hoch oder falsch niedrig. Biotin steckt in vielen Präparaten für Haut, Haare und Nägel: Erwähnen Sie sie.

Stehen Eisenwerte im Blut auf der Anforderung, sollten Sie laut IQWiG für die Transferrin-Sättigung nüchtern sein, denn der Eisenwert steigt nach dem Essen vorübergehend an. Fragen Sie, ob Sie ein Eisenpräparat pausieren sollen.

Welche Medikamente beeinflussen das Blutbild?

Viele, auf unterschiedliche Weise; deshalb zählt Ihre Liste mehr als jede Tabelle. Blutzuckersenker verändern den Blutzucker selbst, L-Thyroxin hebt kurz das fT4, Biotin stört die Messmethode. Laut IQWiG erhöhen viele Medikamente die Gamma-GT, und die Pille sowie Östrogenpräparate können die Eisenwerte beeinflussen.

Wirkstoffspiegel selbst werden nur gemessen, wenn sie eigens angefordert sind, die Wirkungen zeigen sich aber. Laborwerte stehen hinter etwa 70 % der ärztlichen Entscheidungen; ohne Wissen um Ihre Medikamente gelesen, kann ein Wert eine Entscheidung in die falsche Richtung lenken.

Was Sie in Praxis und Labor sagen sollten

Bringen Sie eine Liste mit oder ein Foto Ihrer Packungen. Wer gesetzlich versichert ist und gleichzeitig mindestens drei verordnete Medikamente anwendet, hat nach § 31a SGB V Anspruch auf einen Medikationsplan: Er ist genau die Liste, die hier gebraucht wird. Die europäische Empfehlung zur venösen Blutabnahme zählt Ihre Vorbereitung, Medikamente eingeschlossen, zur Qualität der Probe.

Haben Sie vorher etwas eigenmächtig weggelassen, sagen Sie es. Ein Befund, der so gelesen wird, als hätten Sie Ihr Medikament genommen, ist schlechter als ein Befund mit einer Notiz.

Hat Ihnen niemand eine Anweisung gegeben, sind Sie nicht allein: In einer kroatischen Befragung im Labor hatte mehr als die Hälfte keine erhalten. Nachfragen ist normal.

  1. Name und DosisJedes Mittel, wie es auf Packung oder Medikationsplan steht.
  2. Letzte EinnahmeVor allem alles, was Sie am Morgen der Abnahme genommen haben.
  3. Nahrungsergänzung zählt mitVitamine, Biotin, Eisen und pflanzliche Mittel gehören dazu.
  4. PausiertesWas Sie weggelassen oder verschoben haben, und auf wessen Rat.