Welche Eisenwerte es gibt

Genau genommen stehen die Eisenwerte nicht im Blutbild: Das kleine und das große Blutbild zählen Blutzellen, Eisen messen sie nicht. Die Eisenwerte werden zusätzlich angefordert und kommen meist als Gruppe: Eisen (Serumeisen, etwa in µg/dl), Transferrin, Transferrinsättigung (in %) und Ferritin (in µg/l, das ist dieselbe Zahl wie in ng/ml). Ferritin beschreibt den Vorrat, die drei anderen das, was gerade im Blut transportiert wird, und wie voll das Transportsystem ist.

Ferritin ist der Eisenspeicher des Körpers, wie ein Tresor, in dem etwas für später verschlossen wird. Vorrat und Transport beantworten verschiedene Fragen, deshalb ist ein Befund, der nur das Serumeisen nennt, kaum zu deuten.

  1. FerritinDer Vorrat, und der Wert, der für die häufigste Frage am meisten zählt: Fehlt Ihnen Eisen?
  2. Eisen (Serumeisen)Was im Moment der Blutabnahme im Blut kreist. Es steigt nach dem Essen vorübergehend an und schwankt stark über den Tag.
  3. TransferrinDas Eiweiß, das Eisen zu den Zellen bringt; seine Menge zeigt die Transportkapazität.
  4. TransferrinsättigungDer Anteil dieser Kapazität, der tatsächlich mit Eisen beladen ist. Das IQWiG nennt 16 bis 45 % als Orientierung; für die Messung sollten Sie nüchtern sein.

Ferritin oder Eisen: Welcher Wert ist wichtiger?

Das Ferritin. Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) empfiehlt es als ersten Eisenwert, weil es als einziger schon einen geleerten Speicher erfasst. Das Serumeisen dagegen schwankt im Tagesverlauf und sinkt auch bei Entzündungen; für die Diagnose eines Eisenmangels nennt die Leitlinie seine Bestimmung „obsolet“. Ein niedriger Eisenwert allein bedeutet laut IQWiG noch keinen Mangel.

Das kleine Blutbild hilft nur indirekt. Es zeigt Hämoglobin, MCV und MCH, und diese sinken erst, wenn der Mangel lange genug besteht, um die Blutbildung zu bremsen. Die DGHO unterscheidet drei Stufen: Erst leert sich der Speicher, dann wird die Blutbildung knapp versorgt, und erst zuletzt fällt das Hämoglobin. Die ersten beiden Stufen sind ein Eisenmangel ohne Blutarmut. In US-Erhebungsdaten hatten 83,6 % der jungen Frauen mit Eisenmangel keine Blutarmut. Ein unauffälliges Blutbild schließt einen leeren Speicher also nicht aus.

Ab wann ist Ferritin zu niedrig? Die Grenze ist umstritten

Die DGHO-Leitlinie wertet ein Ferritin unter 15 µg/l als Beweis für einen Eisenmangel. Die Untergrenzen auf Laborbefunden liegen je nach Labor bei Frauen zwischen 12 und 20 µg/l und bei Männern um 30 µg/l; sie beruhen aber auf Durchschnittswerten der Bevölkerung, nicht auf einem Idealwert. Die Leitlinie beschreibt einen wachsenden Konsens, bei Erwachsenen unabhängig vom Geschlecht 30 µg/l als Untergrenze zu nehmen, und hält für Frauen im gebärfähigen Alter mindestens 50 µg/l als „Startkapital“ für wünschenswert.

Andere setzen andere Grenzen. Eine Übersichtsarbeit über 29 Leitlinien von Fachgesellschaften fand stark abweichende Empfehlungen und schlug für die meisten Situationen 100 µg/l zusammen mit einer Transferrinsättigung von 20 % vor, außer etwa bei jungen gesunden Frauen mit starker Regelblutung. Ein Schweizer Expertenkonsens hielt bei Menschen ohne Entzündung 30 µg/l für eine zuverlässige Grenze, um einen Eisenmangel ohne Blutarmut zu erkennen, und die US-Gastroenterologen empfehlen bei Blutarmut eine Grenze von 45 statt 15 µg/l.

Zusammengenommen ist die praktische Folgerung klar: Ein Ferritin von 25 µg/l bei einer Laboruntergrenze von 15 ist nicht automatisch in Ordnung, und die Untergrenze auf Ihrem Befund ist eine Konvention unter mehreren. Das klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt anhand Ihrer Beschwerden, nicht mit einer Tabelle.

15
Ferritin in µg/l, unter dem ein Eisenmangel als bewiesen gilt (DGHO)[4]
30
Untergrenze in µg/l, für die sich laut DGHO ein Konsens abzeichnet[4]
100
Grenze in µg/l, die eine Übersicht von 29 Leitlinien für die meisten Situationen vorschlägt[6]

Entzündungen können einen Eisenmangel verdecken

Ferritin steigt auch bei Entzündungen, unabhängig davon, wie viel Eisen gespeichert ist. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Herzschwäche, chronische Nierenkrankheit oder ein Infekt können das Ferritin in den Referenzbereich heben, während der Speicher darunter leer ist.

Deshalb wird der Eisenstatus neben einem Entzündungswert wie dem CRP gelesen: Mit Ferritin, MCV und CRP lässt sich laut DGHO ein Eisenmangel als Ursache einer Blutarmut meist sicher erkennen. Bei chronischen Erkrankungen werten Fachleute ein Ferritin unter 100 µg/l oder eine Transferrinsättigung unter 20 % als vereinbar mit Eisenmangel, ein Ferritin von 100 bis 300 µg/l mit einer Sättigung unter 20 % als Bestätigung.

Der umgekehrte Fall ist einfacher: Entzündungen treiben das Ferritin nach oben, nicht nach unten. Ein niedriges Ferritin lässt sich deshalb kaum wegerklären.

Welcher Eisenwert ist kritisch? Zu niedrig und zu hoch

Niedriges Eisen und niedriges Ferritin sind keine Konkurrenten, sondern verschiedene Messungen. Alle 29 Leitlinien der Übersichtsarbeit definierten Eisenmangel über das Ferritin, weil es den Vorrat abbildet; ein niedriges Serumeisen allein beschreibt nur einen Moment. Ernst wird es vor allem, wenn aus dem leeren Speicher eine Blutarmut geworden ist: Die DGHO spricht von einer Eisenmangelanämie, wenn das Hämoglobin unter 12 g/dl bei Frauen oder 13 g/dl bei Männern fällt.

Hohe Werte haben ihre eigene kurze Liste. Ein erhöhtes Eisen oder eine hohe Transferrinsättigung kann laut IQWiG auf eine Eisenüberladung wie die erbliche Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) hinweisen, ein hohes Ferritin dagegen häufig auf eine Entzündung statt auf zu viel Eisen. Welche Erklärung zutrifft, ergibt sich aus dem ganzen Befund; ein hoher Wert ist ein Grund für ein Gespräch, keine Schlussfolgerung.

Vor der Blutabnahme, und danach

Für die Transferrinsättigung sollten Sie laut IQWiG nüchtern zur Blutabnahme kommen, denn das Serumeisen steigt nach dem Essen vorübergehend an. Wenn Sie ein Eisenpräparat nehmen, sagen Sie es in der Praxis und fragen Sie, ob Sie es vorher pausieren sollen; die Antwort hängt davon ab, welche Werte gemessen werden.

Wird ein Mangel gefunden, zählt die Frage nach dem Warum mehr als die Zahl. Die DGHO-Leitlinie verlangt, die Ursache in jedem Fall zu klären und an erster Stelle einen unbemerkten Blutverlust aus Magen oder Darm auszuschließen; häufige Gründe sind auch starke Regelblutungen, ein erhöhter Bedarf in der Schwangerschaft oder eine eisenarme Ernährung. Weil die Krankenkasse medizinisch notwendige Untersuchungen bezahlt, ist die Abklärung eines solchen Verdachts in der Regel eine Kassenleistung; mehr dazu unter Kosten einer Blutuntersuchung.