Welche Blutwerte sind wichtig? Die, die eine Frage beantworten

In Deutschland gibt es kein festes Paket „alle wichtigen Blutwerte“, das man einfach bestellt. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kreuzt auf dem Laborauftrag die Werte an, die zur Frage passen: bei Müdigkeit andere als bei Bluthochdruck oder bei einem neuen Medikament. Wer „einmal alles“ möchte, kann deshalb acht Zeilen bekommen oder vierzig.

Prüfen Sie also zuerst, welche Gruppen auf Ihrem Befund stehen. Die Tabelle deckt die meisten Routineaufträge ab, und jede Gruppe hat hier eine eigene Seite, vom Blutbild über die Elektrolyte im Blut bis zu den Eisenwerten.

GruppeZeilenWas sie betrachtet
Kleines Blutbild8–10Rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen, Hämoglobin, Hämatokrit, MCV, MCH, MCHC
Differentialblutbild5–10Die fünf Arten weißer Blutkörperchen
Blutzucker1–2Nüchternblutzucker, manchmal HbA1c
Elektrolyte2–5Natrium, Kalium, Chlorid, Calcium, manchmal Magnesium
Blutfettwerte4–5Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyceride
Leberwerte3–6GPT (ALAT), GOT (ASAT), Gamma-GT, manchmal AP und Bilirubin
Nierenwerte2–4Kreatinin, eGFR, Harnstoff
Schilddrüsenwerte1–3TSH, bei Bedarf fT4 und fT3
Eisenwerte2–4Ferritin, Eisen, Transferrin-Sättigung

Welche Blutwerte beim Check-up 35 untersucht werden

Am nächsten an eine feste Liste kommt der Gesundheits-Check-up der gesetzlichen Krankenkassen. Was dazugehört, legt der Gemeinsame Bundesausschuss in einer Richtlinie fest. Zwischen 18 und 34 Jahren haben Sie einmal Anspruch darauf, ab 35 alle drei Jahre, und die Kosten trägt die Krankenkasse.

Die Blutuntersuchung darin ist bewusst schmal: Sie zielt auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes. Ein großes Blutbild, Leber-, Nieren- oder Schilddrüsenwerte gehören nicht dazu.

  1. BlutfettwerteGesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceride. Ab 35 bei jedem Check-up, zwischen 18 und 34 nur bei einem erhöhten Risiko, etwa Übergewicht, Bluthochdruck oder Erkrankungen in der Familie.
  2. NüchternblutzuckerDer Blutzucker im nüchternen Zustand. Deshalb kommen Sie ohne Frühstück zum Termin.
  3. Urin-TeststreifenAb 35: Eiweiß, Zucker, rote und weiße Blutkörperchen und Nitrit, als Hinweis auf Diabetes, Blasen- oder Nierenerkrankungen.
  4. Hepatitis B und CAb 35 einmalig, nicht alle drei Jahre: ein Test auf beide Virusinfektionen. Wer gegen Hepatitis B geimpft ist, braucht diesen Teil nicht.

Was nicht dazugehört: IGeL und Werte mit Anlass

Alles Weitere kommt auf zwei Wegen auf Ihren Befund. Entweder gibt es einen Anlass: Beschwerden, einen Krankheitsverdacht, eine bekannte Erkrankung oder ein Medikament, das kontrolliert werden muss. Dann sind die nötigen Werte eine Kassenleistung, denn auf solche Untersuchungen haben gesetzlich Versicherte immer Anspruch.

Oder die Werte werden ohne Anlass „zur Gesundheitsvorsorge“ angeboten, als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die Sie selbst bezahlen. Zu den häufigen IGeL zählt gesund.bund.de das große Blutbild und die Vitamin-D-Messung. Die Praxis muss Sie vorher schriftlich über Leistung und Kosten aufklären, Sie dürfen sich Bedenkzeit nehmen, und Ihre weitere Behandlung darf nicht davon abhängen, ob Sie zustimmen.

Von 60 Selbstzahlerleistungen, die der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet hat, gelten nur 3 als „tendenziell positiv“. Wann die Krankenkasse zahlt, erklärt die Seite zu den Kosten eines großen Blutbilds.

Was ein Befund zeigen kann

Gruppe für Gruppe gelesen, beantwortet eine Blutuntersuchung einige breite Fragen: ob eine Blutarmut vorliegt und welche Art, ob der Blutzucker in einem Bereich liegt, über den man sprechen sollte, ob Nieren oder Leber belastet sind und ob die Blutfettwerte das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen.

Jeder dieser Befunde ist ein Ausgangspunkt, kein Urteil. Ein Diabetes zum Beispiel wird nicht mit einem einzigen Nüchternwert festgestellt: Die Deutsche Diabetes Gesellschaft bewertet Blutzucker und HbA1c gemeinsam und lässt bei widersprüchlichen Ergebnissen innerhalb von ein bis zwei Wochen nachmessen.

  1. BlutbildEine Blutarmut und, über die Größe der roten Blutkörperchen, ein erster Hinweis auf ihre Ursache. Ungewöhnlich viele oder wenige weiße Blutkörperchen oder Blutplättchen.
  2. BlutzuckerEin Nüchternwert von 100 bis unter 126 mg/dl (5,55 bis unter 7,0 mmol/l) ist der Graubereich; ab 126 mg/dl spricht man von Diabetes, sobald die Diagnose bestätigt ist.
  3. Nieren und LeberKreatinin und eGFR beschreiben, wie gut die Nieren filtern. GPT, GOT und Gamma-GT zeigen, ob Leber und Gallenwege belastet sind.
  4. Herz-Kreislauf-RisikoEin LDL-Cholesterin über 190 mg/dl gilt in den europäischen Leitlinien schon für sich allein als hohes Risiko, ohne weitere Risikorechnung.

Was eine Blutuntersuchung nicht zeigen kann

Eine Routineuntersuchung ist keine Krebsfrüherkennung. Die Früherkennungsprogramme der Krankenkassen setzen für Darm-, Brust-, Gebärmutterhals-, Haut- oder Prostatakrebs eigene Untersuchungen ein, keine Blutwerte. Tests auf Tumormarker im Blut erfüllen laut Krebsinformationsdienst die Anforderungen an Früherkennung nicht: Es sind Selbstzahlerleistungen mit fraglichem Nutzen und oft unklaren Folgen. Über die meisten Krebsarten sagt ein unauffälliger Befund nichts.

Sie lässt außerdem alles weg, was nicht angefordert wurde. Vitamin D, Vitamin B12, Ferritin, Hormone und die meisten Infektionen sind eigene Untersuchungen.

Schließlich beschreibt sie einen einzigen Morgen. Ein Befund ist ein Foto, kein Film: Das meiste, was eine Ärztin oder ein Arzt darin liest, ergibt sich aus dem Vergleich mit früheren Werten oder mit dem Grund, aus dem Blut abgenommen wurde.

In Gruppen lesen, nicht von oben nach unten

Die sinnvolle Reihenfolge ist nicht die gedruckte. Beginnen Sie beim Anlass der Untersuchung: Ging es um Müdigkeit, liegt die Antwort im Blutbild und in den Eisenwerten wie dem Ferritin, und ein leicht verschobenes Calcium ist eher Nebensache. Lesen Sie dann jede Gruppe als Einheit: das Hämoglobin mit dem MCV und dem Ferritin, die GPT mit der GOT, das Kreatinin mit der eGFR.

Erst danach kommen die markierten Zeilen, mit der Frage, wie weit sie außerhalb liegen, nicht ob. Ein Ferritin von 28 bei einer Untergrenze von 30 und eines von 4 tragen dieselbe Markierung. Die Gestaltung wechselt von Labor zu Labor, die Lesereihenfolge nicht: Untersuchung, Wert, Einheit, Referenzbereich, dann die Markierung, etwa ein H oder L, ein Plus- oder Minuszeichen, ein Pfeil, Fettdruck, eine Farbe oder gar nichts.

Rechnen Sie mit ein oder zwei Markierungen, auch wenn Sie gesund sind. Referenzbereiche werden so festgelegt, dass 95 % der Gesunden darin liegen; 5 % liegen also außerhalb, ohne krank zu sein. Bei zwanzig Zeilen summiert sich das: Ein völlig gesunder Mensch hat dann eher mindestens eine Markierung als keine.

Vergleichen Sie zuletzt mit Ihrem früheren Befund. Ein Wert, der über drei Jahre stetig innerhalb seines Bereichs gewandert ist, kann mehr sagen als ein einmal markiertes Ergebnis; manche Veränderung fällt laut IQWiG nur im Vergleich mit älteren Befunden auf.

Wie Sie sich auf die Blutabnahme vorbereiten

Die Vorbereitung hängt von den Zeilen auf dem Auftrag ab, nicht vom Wort „Check-up“. Entscheidend ist sie für den Nüchternblutzucker: Die Deutsche Diabetes Gesellschaft legt 8 bis 12 Stunden ohne Nahrung zugrunde. Beim Cholesterin ist es laut IQWiG nicht zwingend nötig, nüchtern zur Blutabnahme zu kommen, bei den Triglyceriden empfiehlt es dagegen 8 Stunden ohne Essen. Europäische Fachgesellschaften halten seit 2016 Blutfettwerte ohne Nüchternheit für die Routine für ausreichend.

Beim Check-up kommen Sie ohnehin nüchtern, sonst gilt die Anweisung Ihrer Praxis: Das Labor liest Ihre Werte in der Annahme, dass Sie sie befolgt haben. Auch die Blutabnahme selbst zählt: Die europäische Empfehlung zur venösen Blutentnahme verlangt, die Stauung zu lösen, sobald Blut fließt, und auf das „Pumpen“ mit der Faust zu verzichten.

Hilft ein allgemeiner Check-up wirklich?

Hier ist die Studienlage ungewöhnlich klar, und sie widerspricht dem Bauchgefühl. Eine systematische Cochrane-Übersicht hat 17 randomisierte Studien mit 251 891 Teilnehmenden ausgewertet. Allgemeine Gesundheitschecks bei Erwachsenen hatten kaum oder keinen Effekt auf die Sterblichkeit insgesamt und an Krebs, beides auf verlässlicher Datengrundlage, und wahrscheinlich keinen auf die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit. Das Fazit der Autoren: Allgemeine Gesundheitschecks nützen wahrscheinlich nicht.

Was solche Checks hervorbringen, sind Diagnosen. In einer der Studien sammelten Menschen, denen Checks angeboten wurden, innerhalb von sechs Jahren 20 % mehr neue Diagnosen als die Vergleichsgruppe, dazu mehr selbst angegebene chronische Erkrankungen. Ein Etikett kam hinzu, am Verlauf änderte sich nichts.

Die Reichweite dieses Ergebnisses ist eng, und das ist wichtig. Es betrifft das Durchsuchen mehrerer Organsysteme bei Erwachsenen ohne Beschwerden. Es sagt nichts über einen Wert, den Ihre Ärztin oder Ihr Arzt aus einem Grund bestimmt hat, nichts über die Kontrolle einer Erkrankung, die Sie schon haben, und nichts über die Abklärung eines Symptoms. Das sind keine Checks, sondern Fragen mit einer Antwort, und sie bleiben sinnvoll. Auch gesund.bund.de trennt beides: Der Check-up ist etwas anderes als eine Untersuchung wegen Beschwerden oder eines Krankheitsverdachts.

Fragen für Ihre Ärztin oder Ihren Arzt

Bringen Sie den Befund selbst mit, keine Zusammenfassung und kein Foto einer einzelnen Zahl. Einheiten und Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor: 14 g/dl Hämoglobin sind nicht dasselbe wie 14 mmol/l, sondern entsprechen etwa 8,7 mmol/l.

Manche Ergebnisse sollten nicht bis zum nächsten Routinetermin warten: ein Wert weit außerhalb seines Bereichs, mehrere Zeilen einer Gruppe, die sich gemeinsam verschieben, oder eine Markierung, die zu Beschwerden wie Fieber, ungewöhnlichen blauen Flecken oder zunehmender Atemnot passt. Rufen Sie dann die Praxis an, die das Blut abgenommen hat; meldet sie oder das Labor sich zuerst, folgen Sie deren Anweisung.

  1. Warum diese Werte?Der Anlass sagt, welche Gruppe die Antwort trägt und welche Markierungen Nebensache sind.
  2. Wie weit außerhalb?Fragen Sie, ob ein markierter Wert knapp über der Grenze liegt oder deutlich, und ob dieser Abstand etwas ändert.
  3. Hat er sich verändert?Bitten Sie um den Vergleich mit früheren Werten, am besten aus demselben Labor, damit eine andere Messmethode nicht für eine Veränderung bei Ihnen gehalten wird.
  4. Wie geht es weiter?Kontrolle, weitere Untersuchung oder nichts: Alles ist berechtigt, und es zu wissen erspart Ihnen das Warten in Ungewissheit.