Welche Werte zu den Elektrolyten gehören
Elektrolyte, im Alltag Blutsalze genannt, sind Mineralstoffe, die im Blut als geladene Teilchen gelöst sind. Sie halten Wasserhaushalt und Säure-Basen-Gleichgewicht im Lot und lassen Nerven und Muskeln arbeiten, auch den Herzmuskel.
Auf einem deutschen Befund sind das vor allem vier Zeilen: Natrium, Kalium, Chlorid und Calcium. Die Gebührenordnung für Ärzte fasst genau diese vier unter der Überschrift „Elektrolyte, Wasserhaushalt“ zusammen, jede mit einer eigenen Nummer. Magnesium und Phosphat stehen nur auf dem Befund, wenn sie angefordert wurden.
- NatriumZeigt vor allem, wie viel Wasser Sie im Verhältnis zum Salz tragen. Ist es zu niedrig, ist meist zu viel Wasser im Körper, nicht zu wenig Salz.
- KaliumWichtig für Herz, Muskeln und Nerven. Zugleich die Zeile, die die Blutabnahme selbst am leichtesten verfälscht.
- ChloridDer Partner des Natriums im Kochsalz. Es verschiebt sich meist mit dem Säure-Basen-Haushalt: Ist das Blut zu sauer, ist es oft erhöht.
- CalciumZum allergrößten Teil in Knochen und Zähnen gebunden. Im Blut ist etwa die Hälfte gelöst, die andere Hälfte vor allem an Eiweiß gebunden.
Kein Paket, sondern einzelne Zeilen: so steht es auf dem Befund
Einen festen Sammelnamen für ein Elektrolyt-Paket gibt es in Deutschland nicht. Ihre Praxis kreuzt die Werte einzeln an, meist mehrere zusammen: Kalium wird laut IQWiG in der Regel mit Natrium, Chlorid und Calcium gemessen. Oft stehen sie neben Kreatinin, Harnstoff und eGFR, denn die Nieren regeln, wie viel Salz und Wasser der Körper behält.
Die Einheit ist fast immer mmol/l, bei Calcium manchmal mg/dl: 2,20–2,54 mmol/l entsprechen 8,8–10,2 mg/dl. Liegt ein Wert außerhalb des Referenzbereichs Ihres Labors, ist er fett gedruckt oder mit H oder L, Plus- oder Minuszeichen oder einem Pfeil markiert. Zur Orientierung nennt das IQWiG für Natrium 135–145 mmol/l und für Chlorid 95–105 mmol/l.
Beim Kalium lohnt ein Blick auf das Material. Im Serum, also nach der Gerinnung, liegt der Wert höher als im Plasma, weil die Blutplättchen beim Gerinnen Kalium abgeben, laut Universitätsklinikum Tübingen um 0,2 bis 0,6 mmol/l. Das IQWiG nennt deshalb zwei Orientierungsbereiche: 3,5–4,6 mmol/l im Plasma und 3,7–5,1 mmol/l im Serum.
Elektrolyte werden oft mit dem Blutbild verwechselt, weil beides am selben Morgen abgenommen wird. Sie beantworten aber verschiedene Fragen: Das Blutbild zählt Zellen, die Elektrolyte messen, was im flüssigen Teil des Blutes gelöst ist.
Kalium: der Wert, der am häufigsten täuscht
Kalium steckt vor allem im Inneren der Zellen, außerhalb herrscht Natrium vor. Gehen zwischen Ihrem Arm und dem Analysegerät ein paar rote Blutkörperchen kaputt, steigt das Kalium im Röhrchen, ohne dass in Ihrem Körper etwas passiert ist. Labore erfassen diese Hämolyse automatisch. Eine Prüfstudie über 26 Laborwerte bestätigte, dass sie Kalium, aber auch Leberwerte wie die GOT, LDH, Bilirubin und Eisen nach oben treibt, Glukose und GPT dagegen nach unten.
Die Ursachen sind mechanisch und banal: zu lange Stauung, vor allem mit „Pumpen“ der Faust, zu schnelles Ansaugen, eine zu dünne Nadel, ein geschütteltes Röhrchen, lange Lagerung, Kälte oder Wärme auf dem Transport. Das Zentrallabor des Universitätsklinikums Tübingen empfiehlt, höchstens 30 Sekunden zu stauen und nicht zu pumpen; die europäische Empfehlung zur venösen Blutentnahme rät ebenso vom Pumpen ab.
Ein leicht erhöhtes Kalium auf einem sonst unauffälligen Befund hat also zuerst eine langweilige Erklärung. Der übliche nächste Schritt ist eine neue Blutabnahme, keine Behandlung.
Natrium zu niedrig: oft Wasser oder eine Tablette
Unter 135 mmol/l spricht man von einer Hyponatriämie, der häufigsten Störung des Salz-Wasser-Haushalts im ärztlichen Alltag. Laut IQWiG steckt dahinter häufig kein Mangel an Natrium, sondern zu viel Wasser im Körper, etwa wenn jemand sehr viel auf einmal trinkt oder eine Herz- oder Nierenschwäche die Ausscheidung bremst.
Bei Menschen, die wegen ihres Blutdrucks behandelt werden, steht die Erklärung oft auf dem eigenen Medikamentenplan. In einer Kohorte von 2613 Erwachsenen, die neu gegen Bluthochdruck behandelt wurden, sank bei rund drei von zehn derjenigen, die dauerhaft ein Thiazid-Diuretikum nahmen, das Natrium auf 130 mmol/l oder darunter.
Das ist kein Grund, die Tablette abzusetzen. Es ist ein Grund, die Zahl neben der Liste Ihrer Medikamente zu lesen und das Weitere mit der Praxis zu besprechen, die die Tablette verordnet hat.
Was passiert bei zu wenig oder zu viel Elektrolyten?
Ein leicht abweichender Wert macht meist keine Beschwerden und fällt nur auf dem Befund auf. Erst größere Abweichungen machen sich bemerkbar.
- Natrium zu niedrig oder zu hochZu niedrig: Kopfschmerzen und Übelkeit, in schweren Fällen bis zum Kreislaufversagen. Zu hoch, meist durch Flüssigkeitsmangel: Schwindel und Durst.
- Kalium zu niedrigMuskelschwäche und ein beschleunigter Herzschlag. Häufige Ursachen sind Erbrechen, Durchfall, Abführmittel und entwässernde Medikamente.
- Kalium zu hochMuskelschwäche und ein verlangsamter Herzschlag. Stark erhöhte Werte können lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen und brauchen schnelle ärztliche Hilfe.
- Calcium zu hochEin leichter Überschuss macht keine Beschwerden. Ein starker kann zu Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen führen und gehört ärztlich abgeklärt.
Müssen Sie für die Elektrolyte nüchtern sein?
Für die Elektrolyte selbst ist die letzte Mahlzeit weit weniger entscheidend als für den Blutzucker: Laut Universitätsklinikum Tübingen lassen sich vor allem Glukose und freie Fettsäuren nur nüchtern sinnvoll beurteilen.
Steht ein Nüchternblutzucker auf demselben Auftrag, was häufig ist, brauchen Sie laut IQWiG mindestens 8 Stunden ohne Essen und ohne andere Getränke als Wasser; mehr dazu unter nüchtern zur Blutabnahme. Es gilt die Anweisung Ihrer Praxis.
Die eGFR ist berechnet, nicht gemessen
Neben dem Kreatinin steht oft die eGFR, die geschätzte Filterleistung der Nieren. Sie wurde nie gemessen: Sie wird aus Kreatinin, Alter und Geschlecht mit einer Formel berechnet und trägt deren Ungenauigkeit mit sich.
Diese Formeln ändern sich. 2021 empfahl eine Arbeitsgruppe der US-amerikanischen Nieren-Fachgesellschaften, eine neu angepasste CKD-EPI-Formel ohne Herkunftsvariable zu verwenden und Cystatin C häufiger zur Bestätigung heranzuziehen. Eine eGFR auf einem älteren Befund ist deshalb nicht immer direkt mit einer neuen vergleichbar, und ein einzelner Wert unter einer Schwelle verlangt eine Kontrolle, keine Schlussfolgerung.
Was Sie mit einer markierten Zeile tun
Jeder Referenzbereich lässt etwa einen von zwanzig Gesunden außerhalb, und die Bereiche hängen von Gerät und Methode ab. Vergleichen Sie Ihren Wert deshalb mit dem Bereich, der daneben gedruckt ist, nicht mit einer Tabelle aus dem Internet.
Viele dieser Zeilen bewegen sich mit Ihren Medikamenten, mit dem, was Sie getrunken haben, und mit der Blutabnahme selbst. Zeigen Sie den Befund Ihrer Praxis zusammen mit Ihrer Medikamentenliste. Ein Natrium oder Kalium weit außerhalb des Bereichs oder ein Anruf aus dem Labor ist dagegen ein Grund, noch am selben Tag Kontakt aufzunehmen.