Wann der Zuckertest in der Schwangerschaft stattfindet
Der Zuckertest in der Schwangerschaft wird nach der Mutterschafts-Richtlinie jeder Schwangeren angeboten, die nicht schon einen bekannten Diabetes hat, und zwar zwischen 24+0 und 27+6 Schwangerschaftswochen. Die Teilnahme ist freiwillig, die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten beider Tests, und das Ergebnis wird im Mutterpass eingetragen.
Frauen mit einem erhöhten Diabetes-Risiko, etwa bei starkem Übergewicht, einem höheren Alter oder einem früheren Schwangerschaftsdiabetes, wird schon im ersten Schwangerschaftsdrittel ein Blutzuckertest empfohlen. Ist er unauffällig, folgt der übliche Test in der 24. bis 28. Woche trotzdem. Die übrigen Blutwerte in der Schwangerschaft werden nach einem eigenen Zeitplan bestimmt.
Der kleine Zuckertest: 50 g, nicht nüchtern
Der erste Schritt ist ein Vortest, oft „kleiner Zuckertest“ genannt. Sie trinken ein Glas Wasser mit 50 g Zucker, und eine Stunde später wird Blut aus einer Armvene abgenommen. Nüchtern müssen Sie dafür nicht sein: Der Test gilt unabhängig davon, wann Sie zuletzt gegessen haben, wie viele Blutwerte ohne Nüchternpflicht.
Liegt der Blutzucker unter 135 mg/dl (7,5 mmol/l), ist der Test unauffällig und beendet. Liegt er zwischen 135 und 200 mg/dl (11,1 mmol/l), wird Ihnen zeitnah der große Test angeboten. Ein auffälliger Vortest ist noch keine Diagnose, er sortiert nur aus, wer den genaueren Test braucht.
Der große Zuckertest: 75 g, nüchtern, drei Blutabnahmen
Für den großen Test, den oralen Glukosetoleranztest (oGTT), kommen Sie nüchtern: mindestens acht Stunden nichts essen, nur Wasser ohne Kohlensäure ist erlaubt. Wie Sie sich sonst auf eine Blutabnahme nüchtern vorbereiten, steht im Ratgeber zur Vorbereitung. Der Test beginnt mit einer ersten Blutabnahme. Dann trinken Sie schluckweise 75 g Zucker in 300 ml Wasser, und nach einer und nach zwei Stunden wird erneut Blut abgenommen.
Der Blutzucker wird im Venenblut gemessen und als Wert im venösen Plasma angegeben, nicht mit einem Fingerstich-Messgerät. Planen Sie gut zwei Stunden ein. Für Sie und Ihr Kind birgt der Test keine Risiken; manche Frauen empfinden die süße Lösung als unangenehm.
Die Grenzwerte: ein einziger Wert reicht
Beim großen Test wird die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes gestellt, wenn mindestens einer der drei Werte erreicht oder überschritten ist. Ein zu hoher Nüchternwert genügt also, auch wenn die beiden anderen unauffällig sind. Das ist anders als bei Tests außerhalb der Schwangerschaft, bei denen andere Grenzen gelten.
Liegt der Nüchternwert bei 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder darüber, oder der Wert nach zwei Stunden bei 200 mg/dl (11,1 mmol/l) oder darüber, spricht man nicht mehr von Schwangerschaftsdiabetes, sondern von einem in der Schwangerschaft neu entdeckten Diabetes, der weiter abgeklärt wird. Wie Blutzuckerwerte sonst auf dem Befund stehen und warum die Labore Werte außerhalb des Referenzbereichs markieren, erklären die Artikel im Ratgeber zu den Ergebnissen.
| Test | Messzeitpunkt | Auffällig ab |
|---|---|---|
| Kleiner Test, 50 g, nicht nüchtern | Nach 1 Stunde | 135 mg/dl (7,5 mmol/l): großer Test folgt |
| Großer Test, 75 g, nüchtern | Vor dem Trinken | 92 mg/dl (5,1 mmol/l) |
| Großer Test, 75 g, nüchtern | Nach 1 Stunde | 180 mg/dl (10,0 mmol/l) |
| Großer Test, 75 g, nüchtern | Nach 2 Stunden | 153 mg/dl (8,5 mmol/l) |
Was eine Diagnose bedeutet
Bei etwa 5 von 100 Schwangeren sind die Blutzuckerwerte zu hoch. Die Grenze ist fließend: Eine große internationale Studie mit über 23 000 Schwangeren fand, dass das Geburtsgewicht des Kindes mit dem Blutzucker der Mutter stetig zunimmt, ohne eine Schwelle, ab der das Risiko plötzlich steigt. Die Grenzwerte sind deshalb eine Vereinbarung, kein Urteil über Ihre Schwangerschaft.
Die meisten Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben eine ansonsten normale Schwangerschaft und bringen ein gesundes Kind zur Welt. Die Kinder sind bei der Geburt im Schnitt etwas schwerer. Eine Behandlung senkt das Risiko, dass die Schulter des Kindes bei der Geburt hängen bleibt: In Studien kam es ohne Behandlung bei 3 bis 4 von 100 Frauen dazu, mit Behandlung bei 1 bis 2 von 100.
- Ernährung und BewegungReichen meist aus, um den Blutzucker zu senken. Sie bekommen dazu eine spezielle Beratung.
- InsulinNur wenige Frauen haben so anhaltend hohe Werte, dass sie für die Dauer der Schwangerschaft Insulin spritzen sollten.
- Diabetologische BetreuungDie weitere Betreuung soll in enger Zusammenarbeit mit einer diabetologisch qualifizierten Ärztin oder einem Arzt erfolgen.
Nach der Geburt
Meist normalisiert sich der Blutzucker nach der Geburt von selbst. Trotzdem wird ein erneuter Test angeboten: Das Universitätsklinikum Jena empfiehlt 6 bis 12 Wochen nach der Entbindung je nach Risiko eine Nüchternglukose mit HbA1c oder einen großen Zuckertest mit 75 g, und bei unauffälligem Ergebnis Kontrollen alle 2 bis 3 Jahre.
Der Grund: Nach einer Übersichtsarbeit über 20 Studien haben Frauen nach einem Schwangerschaftsdiabetes ein fast zehnmal so hohes Risiko, später einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Wer das weiß, kann früh gegensteuern. Welche Blutwerte in der Schwangerschaft sonst gemessen werden, erklärt der Artikel über die Blutwerte in der Schwangerschaft.
