Was H und L auf dem Laborbefund bedeuten
Auf einem Laborbefund heißt H, dass der Wert über dem Referenzbereich neben dem Wert liegt, L, dass er darunter liegt. Die Buchstaben kommen aus dem Englischen: high und low. Gesetzt werden sie von einem Computer, der zwei Zahlen vergleicht: Ihren Wert und die Grenzen des Bereichs.
In Deutschland ist das sogar festgeschrieben. Der Datenstandard der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), mit dem Labore ihre Ergebnisse an die Software der Arztpraxis schicken, hat dafür ein eigenes Feld: H oder ein Pluszeichen bedeutet „schwach erhöht“, L oder ein Minuszeichen „schwach erniedrigt“, N „im Normalbereich“. Wie der Befund auch gestaltet ist, die Lesereihenfolge bleibt gleich: Untersuchung, Wert, Einheit, Referenzbereich, Markierung.
Genau darin liegt die Grenze: Die Markierung kennt den Wert und den Bereich, aber sie weiß nicht, welche Medikamente Sie nehmen, ob Sie nüchtern waren, ob Sie rauchen, wann das Blut abgenommen wurde und warum. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bringt beim Lesen genau das mit, was dem Computer fehlt.
HH, ++, !H und die anderen Zeichen
H und L sind die häufigsten Zeichen, aber nicht die einzigen. Der KBV-Standard sieht eine Abstufung vor. Er legt die Zeichen fest, nicht aber, ab welchem Abstand ein Labor von „stark“ spricht.
Vorsicht beim Vergleich mit englischen Quellen: Im internationalen Standard HL7 steht HH für einen kritischen Wert, bei dem sofortiges Handeln zu erwägen ist. Im deutschen Standard heißt HH „stark erhöht“, für Extremwerte gibt es das Ausrufezeichen. Wirklich kritische Werte warten ohnehin nicht darauf, dass Sie sie entdecken: Nach der Richtlinie der Bundesärztekammer muss jedes Labor festlegen, wie es sofort eine Ärztin oder einen Arzt benachrichtigt, wenn ein Ergebnis eine Alarmgrenze oder kritische Grenze überschreitet.
- HH oder ++Stark erhöht. Entsprechend stehen LL oder zwei Minuszeichen für stark erniedrigt.
- !H oder !LExtrem erhöht oder erniedrigt. Der Standard verlangt dazu einen eigenen Hinweis an die Praxis, damit der Wert nicht übersehen wird.
- A oder AAAuffällig oder sehr auffällig, für Ergebnisse ohne Zahl, etwa „positiv“. Eine Richtung gibt es hier nicht.
- < oder >Der Wert liegt unter dem, was die Methode erfassen kann, oder über ihrem Messbereich, etwa „< 0,5“. Das beschreibt die Grenzen des Tests, nicht Sie.
- N oder nichtsIm Normalbereich. Manche Befunde drucken ein N, andere lassen das Feld einfach leer.
Pfeile, Plus und Minus, Fettdruck oder gar nichts
Je nach Labor erscheint derselbe Vergleich als Buchstabe, als Pfeil nach oben oder unten, als Plus- oder Minuszeichen oder als fett gedruckter Wert. Das IQWiG nennt Fettdruck, Plus- und Minuszeichen und Pfeile als übliche Formen. Keine davon ist ernster als die andere: Es sind Fragen der Gestaltung, und alle zeigen denselben Vergleich mit dem Referenzbereich.
Optische Hervorhebungen wie Farbe können sogar in die Irre führen. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2026 über 39 Studien fand, dass solche Hinweise in Online-Befunden kleine Abweichungen überbetonen können, während wirklich wichtige Ergebnisse nicht immer deutlich genug angezeigt werden.
Manchmal fehlt die Markierung, obwohl etwas auffällig ist. Das Zentrallabor der Uniklinik Ulm weist zum Beispiel darauf hin, dass Ergebnisse in Textform wie „positiv“ oder Werte, deren Referenzbereich nur als Kommentar dasteht, in seiner Verlaufsübersicht weder farbig noch mit Plus oder Minus markiert werden. Lesen Sie deshalb auch die Kommentare unter einem Wert. Ein Sternchen kommt im KBV-Standard übrigens nicht vor: Steht eines auf Ihrem Befund, fragen Sie in der Praxis, was das Labor damit meint.
Ein H am Anfang einer Abkürzung ist keine Markierung
Eine häufige Verwechslung kommt von Abkürzungen. Hb steht für Hämoglobin, Hk oder Hkt für den Hämatokrit, beides Zeilen aus dem kleinen Blutbild. HbA1c ist der Langzeitblutzucker, und HDL gehört zu den Blutfettwerten wie dem Cholesterin. Das H gehört hier zum Namen und sagt nichts über hoch oder niedrig. Die Markierung, wenn es eine gibt, steht weiter hinten in der Zeile.
Der Buchstabe sagt nicht, wie weit
Das ist das Wichtigste an jeder Markierung: Ein Wert knapp neben der Grenze und ein Wert weit daneben können denselben Buchstaben tragen. Unterscheidet Ihr Labor zwischen H und HH, bekommen Sie eine grobe Abstufung, aber keine Zahl.
Thrombozyten von 145 Tsd./µl bei einer Untergrenze von 150 und Thrombozyten von 40 Tsd./µl können beide schlicht mit L markiert sein. Auf dem Papier sieht das gleich aus, gemeint sind völlig verschiedene Lagen.
Die erste Frage beim Anblick einer Markierung lautet deshalb nie, was der Buchstabe bedeutet. Sie lautet, wie weit der Wert außerhalb liegt: eine einfache Subtraktion aus den beiden Zahlen der Zeile. Und dann, ob die benachbarten Zeilen dazu passen.
Warum so viele Werte markiert sind
Referenzbereiche werden so festgelegt, dass 95 von 100 gesunden Menschen hineinfallen. Fünf von 100 Gesunden liegen also bei jedem einzelnen Wert außerhalb, ohne krank zu sein, wie das IQWiG erklärt. Bei 20 Werten auf einem Befund hat nach einer Übersichtsarbeit von 2025 im Journal of the American Board of Family Medicine etwa zwei von drei gesunden Menschen mindestens eine Markierung. Außerhalb des Bereichs heißt nicht krank.
Am schwersten fallen Werte knapp neben der Grenze. Die Übersichtsarbeit von 2026 zeigt, dass Patientinnen und Patienten den schnellen Zugang zu ihren Ergebnissen schätzen, die Bedeutung knapp auffälliger Werte aber oft schwer einschätzen können und nicht wissen, wann eine Kontrolle nötig ist.
Was Sie tun können, wenn H oder L auf dem Befund steht
Viele lesen ihre Werte heute, bevor die Praxis sie besprochen hat, etwa in der elektronischen Patientenakte. In einer US-Befragung von 8 139 Patientinnen und Patienten sagten 16,5 % derjenigen mit auffälligen Ergebnissen, das frühe Lesen habe sie stärker beunruhigt. Fast alle wollten ihre Ergebnisse trotzdem sofort sehen.
Gehen Sie in dieser Reihenfolge vor: Wie weit liegt der Wert außerhalb, passen verwandte Werte dazu, und war er beim letzten Mal schon markiert? Notieren Sie, was ihn verschoben haben könnte, von der Uhrzeit der Blutabnahme bis zu einem neuen Medikament, und fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, was die Markierung in Ihrem Fall bedeutet.
Was eine Markierung besser sagen könnte
Die Übersichtsarbeit von 2025 schlägt vor, dass Befunde über einen Buchstaben hinausgehen und die Bedeutung in klaren Worten nennen: kein unmittelbarer Anlass zur Sorge, beim nächsten Termin besprechen oder bald die Praxis kontaktieren.
Auch Balken helfen: Eine Übersichtsarbeit von 2024 über 18 Studien fand, dass waagerechte Balken mit dem Referenzbereich besser verstanden wurden als Zahlen allein und dass Menschen danach seltener im Internet suchten oder die Praxis kontaktierten. Bis dahin sagt der Buchstabe nur, dass ein Vergleich stattgefunden hat. Ob er zählt, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.