Blutbild machen lassen: die drei Wege

Der übliche Weg führt über die Hausarztpraxis. Sie schildern Ihre Beschwerden oder den Grund der Kontrolle, die Praxis nimmt Blut ab und schickt die Probe an ein Labor. Gibt es einen medizinischen Anlass, ist das eine Kassenleistung. Direkt zu einem Facharzt für Laboratoriumsmedizin können gesetzlich Versicherte auf Kassenkosten dagegen nicht gehen: Er darf Kassenpatienten nur auf Überweisung behandeln, und wie lange eine Überweisung gilt, ist eigens geregelt.

Ohne medizinischen Anlass bleiben zwei Wege, beide auf eigene Kosten: das Blutbild als Selbstzahlerleistung (IGeL) in einer Praxis oder ein Labor, das Selbstzahler direkt annimmt. Das Blut wird auf dieselbe Weise abgenommen und gemessen. Was sich ändert: wer zahlt, und wer das Ergebnis mit Ihnen bespricht.

Und der Anlass selbst. Eine Überweisung oder ein Arztgespräch liefert eine Frage mit: Müdigkeit, ein Infekt, eine Kontrolle. Diese Frage macht aus einer Spalte von Zahlen eine Antwort. Ein Befund ohne sie ist schwerer zu lesen, nicht leichter.

Kann man beim Hausarzt einfach so ein Blutbild machen lassen?

Fragen können Sie immer. Ob es eine Kassenleistung wird, entscheidet aber Ihre Ärztin oder Ihr Arzt: Die Krankenkasse bezahlt Untersuchungen, die nötig sind, um eine Krankheit zu erkennen oder zu behandeln, und Kassenleistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Haben Sie Beschwerden oder besteht ein Verdacht, sagen Sie das; dann kann dieselbe Untersuchung, die sonst als IGeL angeboten wird, von der Kasse übernommen werden.

Ohne Anlass kann die Praxis das Blutbild als IGeL anbieten. Das Gesundheitsportal des Bundes zählt das große Blutbild „zur Gesundheitsvorsorge“ zu den häufig genutzten Selbstzahlerleistungen. Die Praxis muss Sie vorher ausführlich und schriftlich über die Kosten informieren, Ihre schriftliche Zustimmung einholen und darf Ihre übrige Behandlung nicht davon abhängig machen.

Ab 35 gibt es außerdem den Gesundheits-Check-up, alle drei Jahre als Kassenleistung. Er enthält Blutfette und Nüchternblutzucker, aber kein Blutbild, und Sie müssen dafür nüchtern zur Untersuchung kommen.

Großes Blutbild selbst zahlen: womit Sie rechnen müssen

Als IGeL rechnet die Praxis nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Für das große Blutbild ergibt die Rechnung beim Faktor 1,15, der Regelgrenze für Laborwerte, 5,36 €. Dazu können die Blutentnahme und ein Beratungsgespräch kommen; mit beiden, jeweils beim Faktor 2,3, sind es nach GOÄ berechnet 21,44 €. Wie sich die Kosten eines großen Blutbilds im Einzelnen zusammensetzen, steht auf einer eigenen Seite.

Jeder weitere Wert kostet extra. Wer ein Blutbild „mit allem“ möchte, sollte sich die Liste vorher geben lassen, mit GOÄ-Nummer und Preis je Zeile. Ein einzelner Wert wie Vitamin D kostet als IGeL nach Angaben des IGeL-Monitors 27 bis 33 Euro, also ein Vielfaches des Blutbilds.

Direkt beim Labor, ohne Arztpraxis

Manche Labore nehmen Selbstzahler auch ohne Überweisung an. Das Labor einer Universitätsklinik in Göttingen zum Beispiel bietet Privatpersonen Profile und Einzelwerte an: Sie vereinbaren einen Termin, unterschreiben einen privatärztlichen Behandlungsvertrag und eine Einwilligung zur Blutentnahme und erhalten den Befund in der Regel nach zwei bis fünf Werktagen online oder per Post. Ein ärztliches Gespräch über den Befund gibt es dort auf Wunsch, gegen Gebühr. Ein Basis-Check mit zwölf berechneten Werten kostet dort samt Blutentnahme 61,62 €.

Welche Voraussetzungen gelten, legt jedes Angebot selbst fest; fragen Sie vorher, was das Labor verlangt. Eine feste Grenze gibt es bei genetischen Untersuchungen: Sie dürfen nur Ärztinnen und Ärzte vornehmen. In Europa sind die Regeln ohnehin uneinheitlich: Eine Auswertung von zwölf Plattformen in sieben Ländern fand 2026 dasselbe Unternehmen in einem EU-Land nur mit ärztlicher Verordnung, in einem anderen frei zugänglich.

Daneben gibt es Testsets für zu Hause, bei denen Sie selbst etwas Blut abnehmen und einschicken. Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Clinical Chemistry erinnert 2025 daran, dass ein Laborwert nur nützt, wenn die Probe richtig gewonnen und gelagert, angemessen gemessen und das Ergebnis richtig gedeutet wird. Außerhalb der üblichen Versorgung gelten die Schutzregeln des Gesundheitswesens nicht unbedingt.

Wann selbst zahlen sinnvoll ist

Am stärksten ist der Fall, wenn Sie etwas Bekanntes verfolgen. Wurde ein Wert schon einmal gemessen und Sie wollen wissen, wo er heute steht, etwa ein Schilddrüsenwert, der schon einmal auffiel, haben Sie, was einem selbst bestellten Test sonst fehlt: einen Anlass und ein früheres Ergebnis zum Vergleich.

Am schwächsten ist das große Paket ohne Frage dahinter. In 76 Selbstzahler-Paketen aus den USA und Europa hatten 58 % der Tests wenig Nutzen oder konnten unnötige Folgeuntersuchungen auslösen. Allgemeine Gesundheits-Checks senkten in 17 randomisierten Studien die Sterblichkeit kaum oder gar nicht. Das gilt für Menschen ohne Beschwerden, nicht für einen Test mit Anlass. Eine Übersicht, welche Blutwerte wichtig sind und wann, hilft beim Auswählen.

  1. Passt: ein bekannter WertSie haben einen Anlass und ein früheres Ergebnis. Der neue Wert hat etwas, woran er sich messen lässt.
  2. Passt: eine klare FrageSie wissen, welche Frage der Wert beantworten soll, und wem Sie das Ergebnis zeigen werden.
  3. Passt nicht: das große PaketDutzende Werte ohne Frage dahinter erhöhen die Zahl der Fehlalarme, und jeder kann weitere Untersuchungen nach sich ziehen.
  4. Kein Ersatz: neue BeschwerdenNeue oder beunruhigende Beschwerden gehören in die Praxis. Dann ist die Untersuchung in der Regel eine Kassenleistung, und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wählt die Werte aus.

Bevor Sie bezahlen

Fragen Sie nach dem Preis jeder einzelnen Zeile statt nach dem Paketnamen, und lassen Sie sich sagen, welche Werte tatsächlich bestimmt werden: Ein Paketname ist keine Liste. In der Praxis gilt bei einer IGeL: erst die schriftliche Vereinbarung mit den Kosten, dann die Blutabnahme.

Und bewahren Sie den Befund auf. Was immer Sie daraus lernen: Er wird das frühere Ergebnis, das den nächsten Befund lesbar macht. Ihre elektronische Patientenakte (ePA) können Sie dafür nutzen, denn auch Sie selbst können dort Dokumente ablegen.

Was Sie mit dem Ergebnis tun

Ist etwas markiert, nehmen Sie den Befund mit in die Praxis, zusammen mit dem Grund, warum Sie ihn haben machen lassen, und mit früheren Ergebnissen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) rät, sich Laborbefunde stets von einer Ärztin oder einem Arzt erklären zu lassen.

Und lesen Sie die Referenzbereiche wie auf jedem Befund: Sie gehören zu dem Labor, das gemessen hat, und sind so gezogen, dass 95 % der Gesunden hineinfallen. 5 % der Gesunden liegen bei einem einzelnen Wert also außerhalb. Ein Wert knapp außerhalb des Referenzbereichs hat für sich allein meist keinen Krankheitswert.